London/Frankfurt. Die Deutsche Bank hat Insidern zufolge im Zuge der internationalen Ermittlungen wegen Manipulationen von Devisenkursen eine führende Händlerin vom Dienst suspendiert. Kai Lew, die für das Devisengeschäft mit Zentralbanken zuständig sei, habe bereits im März ihren Arbeitsplatz verlassen. Es gebe aber keine Hinweise auf ein Fehlverhalten.

Sie ist die erste Frau, die im Zuge der Ermittlungen freigestellt wurde. Bisher mussten weltweit etwa 30 Devisenhändler ihren Arbeitsplatz räumen. Im Zuge der Ermittlungen hatte die Deutsche Bank schon mehrere Händler in Amerika vom Dienst suspendiert. Anfang März schickte die Bank of America ihren Chef des Devisen-Spothandels für Europa, den Nahen Osten und Afrika in Zwangsurlaub. Einem Zeitungsbericht zufolge suspendierte auch die französische Großbank BNP Paribas einen hochrangigen Händler.

Durch dieses Großreinemachen klagen die Institute sogar darüber, dass die fähigen Leute im Devisenhandel fehlen. Dass der Engpass nicht behoben werden kann, hat vor allem einen Grund, wie Personalberater und hochrangige Banker berichten: Die Institute meiden im Moment externe Neueinstellungen. Niemand will sich die Finger verbrennen. Zu groß ist das Risiko, dass man sich am Ende namhafte Experten einkauft, die aus früheren Tagen in den Skandal verstrickt sind. "Es führt dazu, dass über der gesamten Branche eine dunkle Wolke hängt", heißt es von einem Personalberater aus London. Solange vieles in der Schwebe sei, werde der Einstellungsstopp anhalten. Zumal eine Suspendierung noch nicht bedeutet, dass die Stelle unmittelbar neu besetzt werden darf. Fehlverhalten muss erst einmal bewiesen werden.

Die Aufsichtsbehörden verschärfen unterdessen ihre Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen am Devisenmarkt. So nimmt die Aufsicht in Hongkong die Geschäfte der Geldhäuser unter die Lupe, in der Schweiz und in Großbritannien überprüfen ebenfalls die Behörden die Geschäfte der Banken. Der Devisenmarkt ist mit einem Tagesumsatz von 5,3 Billionen Dollar (3,8 Billionen Euro) der größte Finanzmarkt der Welt. Der Devisenhandel - inländisches Geld wird in ausländisches umgetauscht - findet vor allem zwischen Banken statt, die die Devisengeschäfte im Rahmen des Kundengeschäfts oder des Eigenhandels betreuen. Eine klassische Börse dafür existiert nicht.

Sollten sich die Manipulationen bestätigen, drohen den Banken hohe Strafen. Der Skandal könnte sogar noch kostspieliger für die Geldhäuser werden als die Manipulation der Referenzzinssätze.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte vergangenes Jahr im Sommer die britische Finanzmarktaufsicht FCA (Financial Conduct Authority). Die Schweizer Bankenaufsicht Finma begann im Oktober mit ihren Ermittlungen. Die Schweizer Finanzministerin nannte Manipulationen bei Devisengeschäften kurz darauf eine "Tatsache". Im November starteten die Ermittlungen in den USA.

Die Deutsche Bank blockierte daraufhin im Dezember aus Angst vor einem weiteren Manipulations-Skandal den Austausch elektronischer Nachrichten ihrer Händler mit Mitarbeitern anderer Banken. Auch die, neben der Deutschen Bank, im Devisenhandel weltweit führende US-Investmentbank Citi sowie die britische Barclays und die UBS haben Internet-Chats verboten.

Chatrooms im Fokus

Solche Internet-Plattformen stehen im Mittelpunkt der Untersuchungen von Aufsichtsbehörden, die weltweit dem Verdacht von Manipulationen wichtiger Indizes und Referenzkurse durch eine Vielzahl von Banken nachgehen. Die Ermittler durchforsten tausende dieser Kurz-Botschaften, um Hinweise zu erhalten, ob sich Händler unerlaubt über Kurse ausgetauscht haben. Auf diese Weise waren sie schon Ungereimtheiten bei der Ermittlung des Libor- und Euribor-Interbankenzinssatzes auf die Spur gekommen.

Am Montag dieser Woche begann die Schweizer Wettbewerbsbehörde (Weko) eine Untersuchung gegen acht heimische und ausländische Bankkonzerne. Betroffen sind UBS, Credit Suisse, Zürcher Kantonalbank, Julius Bär, JP Morgan, Citigroup, Barclays und Royal Bank of Scotland. Nicht im Visier der Weko ist die Deutsche Bank. Man könne aber nicht ausschließen, dass bei den angeblichen Abreden weitere Banken und Broker beteiligt waren.