Köln. Der Flugverkehr von Europas größter Fluggesellschaft ist lahmgelegt. 5.400 Kapitäne und Co-Piloten der deutschen AUA-Mutter Lufthansa haben am Mittwoch einen für drei Tage anberaumten Streik begonnen. 3.800 Flüge und damit neun von zehn Verbindungen mussten gestrichen werden. Die Piloten der Tochter Germanwings legen ebenfalls die Arbeit nieder. Vom größten Streik in der Lufthansa-Unternehmensgeschichte sind 425.000 Fluggäste betroffen.

Streik für Frührente
Anlass der Aktion sind die von Lufthansa einseitig gekündigten Übergangsrenten, die den Piloten bisher ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglichten. Die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit fordert für die 5400 Piloten auch mehr Geld.

Fotostrecke 0 Bilder

Vor allem richtet sich der Streik aber gegen Einschnitte bei der sogenannten Übergangsversorgung. Bisher können Piloten bereits mit 55 Jahren aufhören zu fliegen, die Lufthansa bezahlt dann bis zum Renteneintritt die Übergangsversorgung in Höhe von bis zu 60 Prozent des Bruttoverdiensts. Die Fluggesellschaft will das Austrittsalter aber auf lange Sicht auf 60 Jahre anheben. Neu eingestellte Piloten sollen sich zudem an der bisher allein vom Arbeitgeber finanzierten Leistung beteiligen.

Die deutsche Lufthansa rechnet jedenfalls nicht mit einer zügigen Einigung. Das sagte Konzernsprecherin Barbara Schädler am Mittwochmorgen am Frankfurter Flughafen. "Wir sind ständig gesprächsbereit. Wir glauben, dass wir Angebote vorgelegt haben, auf deren Basis man miteinander sprechen kann", sagte Schädler weiter. Die Kosten des Streiks schätzt die Lufthansa auf einen zweistelligen Millionenbetrag pro Tag.

Regierung drängt auf Einigung
Die deutsche Bundesregierung hat die Lufthansa und die Gewerkschaft Cockpit zu einer raschen Tarifeinigung aufgerufen. "Jeder Tag mit Streik schränkt die Mobilität Hunderttausender Menschen ein", sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) der "Bild"-Zeitung vom Mittwoch.

Ruhiger Tag in Frankfurt und München
Der Streik bei der AUA-Muttergesellschaft Lufthansa hat am frühen Mittwochmorgen erste Auswirkungen gezeigt. "Es sind deutlich weniger Leute da", sagte ein Sprecher des Flughafens in München.
An den beiden größten deutschen Flughäfen in Frankfurt und München war die Lage zunächst ruhig. "Aktuell läuft alles im geregelten Maße, die Leute wurden gut informiert, alles ruhig derzeit im Terminal", sagte ein Sprecher vom Airport Duty Management des Frankfurter Flughafens. Es seien genügend Feldbetten aufgestellt worden und Verpflegungsstationen sowie Familienbereiche für Reisende mit kleinen Kindern eingerichtet worden. "Es sind wenige Leute, die ohne Vorkenntnisse hier her kamen." Auch ein Sprecher des Münchener Flughafens sagte, es sei sehr ruhig am Flughafen, die Reisenden seien gut informiert.