Teheran/Berlin. Sie steht auf der Arbeitsagenda der iranischen Regierung für das heurige Jahr ganz oben: die Wiederherstellung der Wirtschaftsbeziehungen zu Europa, insbesondere im Gas- und Ölsektor. Irans Präsident Hassan Rohani beauftragte zu diesem Zweck Industrieminister Mohammad Reza Nematzadeh, die alten Kontakte aus dessen Zeit als Industrieminister zwischen 1989 und 1997 in Europa wieder aufzufrischen. Erstes Ziel war am Montag Deutschland. Danach will der Rohani-Vertraute in den kommenden Monaten mehrere weitere europäische Länder besuchen.

Der Zeitpunkt könnte angesichts der Krise zwischen der EU und Russland wegen der Ukraine nicht günstiger sein: Der Iran wittert nach dem Atom-Zwischenabkommen vom November und der anschließenden Lockerung einiger Sanktionen seine große Chance, auf dem internationalen Energiemarkt endlich wieder mitmischen zu können.

Die letzten drei Jahre waren wirtschaftlich die schwierigsten seit der Gründung der Islamischen Republik 1979. Die Entwertung der Währung Rial betrug mehr als 50 Prozent, Inflation (derzeit rund 30 Prozent) und Arbeitslosigkeit (rund 15 Prozent) befanden sich ebenfalls auf einem Höhenflug. Auch der Ausbau der Raffinerien geht nicht so zügig voran wie erhofft. So hat man im Iran das Phänomen, als Ölgigant Benzin für den eigenen Bedarf importieren zu müssen. Seit der Wahl Rohanis versucht die iranische Führung daher, die angeschlagene Wirtschaft wiederzubeleben.

"Der Iran kann ein zuverlässiger, sicherer und dauerhafter Partner Europas werden", sagte Nematzadeh dem "Handelsblatt". Sein Land habe sowohl die Energiereserven als auch Pläne für eine Zusammenarbeit. "Wir wollen auf dem internationalen Gasmarkt künftig eine große Rolle spielen", so Nematzadeh, der auch mit einigen deutschen Firmenvertretern konferierte, weiter.

Großes Pipelineprojekt


Sein Land verfüge inzwischen über die größten Erdgasreserven der Welt und verfolge derzeit ein großes Pipelineprojekt, um Erdgas aus dem Süden des Iran an die türkische Grenze zu pumpen. Von dort könne das Gas in den Westen exportiert werden. Die Krim-Krise ließ in Berlin die Alarmglocken schrillen lassen, als Russlands Präsident Wladimir Putin vorige Woche die Europäer vor Engpässen bei Gaslieferungen warnte.

Ganz so schnell wird das ambitionierte Ziel Teherans, Russland als EU-Gaslieferant Konkurrenz zu machen, nicht erreichbar sein. Denn kurzfristig sind dem Iran auf dem internationalen Parkett noch die Hände gebunden, da Unternehmen, die auch in den USA tätig sind, es als Handelspartner eher meiden. Hinzu kommt, dass der Iran vom Swift-System für Finanztransaktionen abgeschnitten wurde und westliche Großbanken keine neuen Geschäfte mehr mit Teheran eingehen. Selbst wenn es im Sommer einen endgültigen Deal im Atomstreit gibt und der zehn Jahre andauernde Konflikt rund um die iranische Urananreicherung beigelegt wird, dauert es mindestens noch ein halbes Jahr, bis Teheran der breitgefächerte Zugang zum Bankensektor ermöglicht werden kann.

Mittel- und langfristig hat der Iran als EU-Energielieferant aber sicherlich Chancen - zumal Russland sein Gas verstärkt an China verkaufen will; ein Vertrag soll nach zehnjährigen Preisverhandlungen noch im Mai unterzeichnet werden. Angesprochen auf das iranische Angebot meinte etwa ein Sprecher der OMV gegenüber der "Wiener Zeitung", dass die OMV die aktuellen Entwicklungen sehr genau beobachte. Jedenfalls begrüßt der heimische Energiekonzern den Dialog mit den Persern. Auch Total und Shell führen schon eifrig Vorgespräche mit Teheran.