Frankfurt/Peking. (wak) Die Europa-Tour von Chinas Präsidenten Xi Jinping Ende März trägt erste Früchte. Wie berichtetet, erhielten London und Frankfurt den Zuschlag, künftig ein Handelsplatz von Chinas bisher extrem abgeschotteter Währung Yuan (Renminbi) zu werden.

London ist bereits seit vergangenem Jahr ein Handelsplatz für den Yuan insofern, als Yuan-Währungsanleihen gekauft werden konnten, trotzdem war man auf die Infrastruktur der Hongkonger Börse angewiesen.

Nun wird sich London und mit ihm auch Frankfurt aber emanzipieren und eigene Clearing-Stellen einrichten. Einem Bericht des "Handelsblatt" zufolge soll Europas erste Anleihe in chinesischer Währung noch in diesem Jahr in Frankfurt begeben werden. Frankfurt konnte davor nicht mit Yuan handeln. Die Metropole am Main wird damit der erste Eurozonen-Standort für Transaktionen in Renminbi. Das Papier solle mit umgerechnet 50 Millionen Euro ein relativ kleines Volumen haben und "Goethe-Bond" heißen. Als Emittent käme eine öffentliche Institution wie etwa die Helaba oder eine Bank wie die Deutsche Bank infrage. Das festverzinsliche Papier solle ein Eisbrecher für den Markt für Yuan-Anleihen in Frankfurt sein, mit denen sich in China tätige Unternehmen leichter mit Yuan eindecken können.

Abwicklung der Exporte

Parallel dazu wurden mit Großbritannien und Deutschland "Trade Settlement"-Programme unterzeichnet. Dadurch können ab diesem Jahr erstmals die Abwicklung von Waren, die in Yuan bezahlt werden, auch in London oder Frankfurt über die Bühne gehen. Bisher mussten die Geschäfte über Hongkong laufen, dem größten Handelsplatz für den Offshore-Renminbi - jener Währung, die Peking für den Handel außerhalb des Festlands verwendet.

Außerhalb Asiens gibt es bisher keine offiziellen solchen Drehscheiben. Der Yuan ist bisher nicht frei handelbar. China lockerte aber in der Vergangenheit immer mehr die Handelsschranken seiner bisher nicht frei konvertierbaren Währung. Doch in der jüngeren Vergangenheit ließ die People’s Bank of China den Wechselkurs mit der Abweichung von einem Prozent schwanken. Allerdings hat es im Februar eine deutliche Abwertung des Yuans gegeben. Obwohl China die Abwärtsbewegung als "normales" Kräftespiel verteidigt hatte, zweifeln Experten daran. "Ich glaube, dass diese Abwertung gezielt von der chinesischen Zentralbank gemacht wurde", erklärt Judith Galter, Analystin bei Raiffeisen Research. Dafür spricht, dass der Yuan im Intraday-Handel immer zu Handelsbeginn eine starke Abwertung gesehen hatte, was untypisch für Währungen sei. Seitdem befindet sich der Yuan wieder in einer Aufwärtsbewegung. China ist international in der Kritik, weil es verdächtigt wird, die eigene Währung künstlich niedrig zu halten, um seinen Exporten einen Vorteil im internationalen Wettbewerb zu verschaffen.