Wien. (apa/sf) Viele Produkte werden mit Begriffen wie "nachhaltig", "umweltfreundlich", "regional" oder "fair" beworben, diese Behauptungen sind aber gesetzlich nicht an die Einhaltung bestimmter Bedingungen geknüpft. "Der Begriff ,fair‘ ist nicht geschützt", sagt Peter Blazek vom Verein für Konsumenteninformation (VKI), der ein Gütesiegelgesetz gegen den Wildwuchs bei Auslobungen fordert. Die Neuregelung könnte dazu beitragen, dass "Standards eingehalten und allzu vollmundige Versprechungen vermieden werden."

Im Regierungsprogramm 2008 war ein Gütesiegelgesetz vorgesehen. Es sollten klare Regelungen und ein Kontrollamt geschaffen werden. Dem Vernehmen nach scheiterte die Umsetzung daran, dass es keine Einigung darüber gab, ob das Kontrollamt beim Landwirtschaftsministerium, Wirtschaftsministerium oder Gesundheitsministerium angesiedelt werden sollte. Im aktuellen Regierungsprogramm ist davon nichts mehr zu lesen.

Kein einheitliches Siegel für Bio und fair

Auch bei Schokoladeprodukten kann die Herkunft oft nicht rückverfolgt werden. Während bereits jede fünfte in Österreich verkaufte Banane und mehr als jede dritte importierte Rose aus fairem Handel kommen, sind fair gehandelte Schokoladeprodukte eine kleine Nische. "Nur fünf Prozent der Produkte im Handel sind so zertifiziert, dass man Ausbeutung und soziale Missstände in der Produktion ausschließen kann", sagt Bernhard Zeilinger, Leiter der Südwind-Kampagne "Make Chocolate Fair!".

Fair gehandelte Produkte müssten auch nicht unbedingt mehr kosten. "Ein Aufschlag von zwei Cent pro Produkt würde für die Bauern bereits eine Steigerung des Erlöses um 20 Prozent bringen", so Zeilinger.

Der Greenpeace-Konsumentenplattform marktcheck.at hat beim Test von Schokolade nach ökologischen und sozialen Kriterien 20 von 140 Schokoprodukten als empfehlenswert eingestuft. Diese sind mit dem Fairtrade-Gütesiegel ausgezeichnet und biologisch hergestellt, darunter fallen beispielsweise der steirische Hersteller Zotter, EZA sowie Schokolade der Spar-Eigenmarken Free From und Natur Pur. Weiters gibt es die Gütesiegel UTZ und Rainforest Alliance, die Greenpeace bei den sozialen Kriterien hinter Fairtrade einstuft und als "kritisch" bewertet. "Es gibt kein einheitliches Siegel für Bio und fair", sagte Greenpeace-Sprecherin Gundi Schachl.

Marktführer Milka und Lindt ohne Gütesiegel

Die Mehrheit der großen Schokomarken hat kein Gütesiegel - darunter der österreichische Marktführer Milka mit rund 60 Prozent Marktanteil und Lindt mit sieben Prozent Marktanteil. Mit der europaweiten Kampagne "Make Chocolate Fair!" sollen diese Unternehmen zum Umdenken bewegt werden. Zeilinger macht auf die Missstände in der Schokoladeindustrie aufmerksam: 20 Millionen Menschen leben vom Kakaoanbau, fünf Konzerne beherrschen den Kakaomarkt weltweit und drei Viertel der in Österreich verarbeiteten Kakaobohnen stammen aus Ghana und der Elfenbeinküste. Über zwei Millionen Kinder arbeiten dort auf den Kakaoplantagen und davon rund ein Zehntel unter sklavenähnlichen Bedingungen. Kleinbauernfamilien sind oft ungeschützt schwankenden Rohstoffpreisen am Weltmarkt ausgesetzt. Lohnarbeiter auf Kakaoplantagen müssen vielerorts menschenunwürdige und gesundheitsgefährdende Bedingungen in Kauf nehmen.