New York. Chinas führender Online-Händler Alibaba gibt den Startschuss für den möglicherweise größten Börsengang der Technologiebranche. Nach monatelangen Planspielen beantragte das rasant wachsende Amazon-Pendant bei der US-Börsenaufsicht SEC offiziell den Sprung auf das Handelsparkett in New York. Alibaba hatte bereits im März sein Vorhaben angekündigt.

In US-Medien wird über ein Volumen zwischen 15 und 20 Milliarden Dollar (10,76 bis 14,34 Milliarden Euro) spekuliert.

Bei dem größten Aktiendebüt seit jenem des Online-Netzwerks Facebook mit 16 Milliarden Dollar vor zwei Jahren mischt auch die Deutsche Bank mit, wie aus dem Dienstag in New York vorgelegten Börsenprospekt hervorgeht. Aber auch die anderen Branchengrößen sind dabei: Credit Suisse, Goldman Sachs, JP Morgan, Morgan Stanley and Citi.

Alibaba will in New York an die Börse, weil hier die finanzstarken und internetverliebten Investoren sitzen. Zudem wollen Alibaba-Chef Jack Ma und enge Vertraute auch nach dem Börsendebüt die Kontrolle ausüben, was in den USA mit einer Zwei-Klassen-Aktienstrukur möglich ist. Wegen börsenrechtlicher Bedenken über diese Führungsstruktur hatte Hongkong ein Aktiendebüt in Asiens Finanzmetropole verweigert.

Auch andere Details blieben zunächst unklar: die Zahl der Aktien, deren Stückpreis und der Börsenplatz. Das Unternehmen kann zwischen New York Stock Exchange und der Technologiebörse Nasdaq wählen. Analysten schätzen den Wert des Unternehmens auf um die 150 Milliarden Dollar. Es wird das größte Unternehmen aus China an einer US-Börse sein.

Der Löwenanteil der Einnahmen aus dem IPO wird Yahoo zufließen, denn der US-Internetpionier muss einer Vereinbarung mit den Chinesen zufolge bei der Erstemission mehr als ein Drittel seines Anteils von knapp 23 Prozent verkaufen. Fraglich ist, ob Yahoo der Verkauf zeitlich passt. Denn der Anteil an dem florierenden Unternehmen hatte dem US-Konzern, der im Werbe-Geschäft hinter die Rivalen Google, Facebook und Twitter zurückgefallen ist, häufig die Bilanz gerettet und Zeit für den Umbau des Geschäfts verschafft.

Projekt eines Englisch-Lehrers


Auch Alibaba-Firmengründer Jack Ma winken Einnahmen in Milliardenhöhe. Er besitzt 8,9 Prozent. Der ehemalige Englisch-Lehrer hat Alibaba vor 15 Jahren in seiner Ein-Zimmer-Wohnung in der ostchinesischen Metropole Hangzhou aus der Taufe gehoben. Seither ist die Firma rasant gewachsen. Über Alibaba-Portale werden heute mehr Waren verkauft als bei Amazon und Ebay zusammen.

Für die Gespräche mit Investoren hat Alibaba einige Argumente parat: Die relative Unbekanntheit in Europa täuscht über die Bedeutung des Konzerns in China mit seinen 1,35 Milliarden Einwohnern hinweg. Das Unternehmen mit 300 Millionen Kunden und 25.000 Beschäftigten wickelt 80 Prozent aller Internet-Einkäufe in der Volksrepublik ab, die dieses Jahr auf ein Volumen von knapp 300 Milliarden Euro anschwellen. Alibaba mischt auch bei Online-Auktionen, Messaging-Diensten und der Zahlungsabwicklung mit. Im vierten Quartal 2013 steigerte das Unternehmen den Umsatz um 62 Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar. Kritiker glauben aber, dass die Zeit des rasanten Wachstums bei Alibaba damit vorbei ist.