Übernahmeziel AstraZeneca wäre allein nicht überlebensfähig, meint Pfizer-Chef Read. - © reu/Adam Hunger
Übernahmeziel AstraZeneca wäre allein nicht überlebensfähig, meint Pfizer-Chef Read. - © reu/Adam Hunger

New York/London. Der US-Pharmagigant Pfizer muss sich mit den Plänen für die Milliarden-Übernahme des britischen Rivalen AstraZeneca gegen wachsenden Widerstand stemmen. Die Furcht vor dem Verlust zahlreicher Arbeitsplätze rief nach der britischen Regierung am Wochenende auch US-Politiker auf den Plan, weil AstraZeneca auch in ihren Wahlkreisen viele Menschen beschäftigt.

Pfizer will den unwilligen Konzern um 106 Milliarden Dollar (76,92 Milliarden Euro) kaufen und ist bekannt dafür, nach Übernahmen im großen Stil Stellen zu streichen. Die Amerikaner sollen ihre Pläne diese Woche vor dem britischen Parlament verteidigen und erklärten im Vorfeld, die Übernahme werde sich als Erfolg für Gesellschaft und Aktionäre herausstellen. Die Aktionäre hatten den Preis als zu niedrig bezeichnet.

Die britische Regierung fordert dagegen von Pfizer verbindliche Zusagen, dass heimische Arbeitsplätze für Hochqualifizierte und in der Forschung erhalten blieben. In dieser Angelegenheit seien "sehr gute Fortschritte" erzielt worden, sagte Premierminister David Cameron am Sonntag dem Fernsehsender BBC. Die Opposition hält dem Regierungschef vor, britische Interessen nicht ausreichend zu schützen. Für Argwohn sorgte der US-Pharmagigant allerdings mit der Einschränkung, er könne seine Versprechen ändern, sollten sich auch die Rahmenbedingungen "signifikant" ändern. Umgehend wurden Forderungen nach verbindlichen Festlegungen laut. Darauf reagierte Pfizer nun mit der Extra-Zusicherung. Am Montag, einen Tag vor der Anhörung von Pfizer-Chef Ian Read vor britischen Parlamentariern, unterstrich das amerikanische Unternehmen die Ernsthaftigkeit seiner Absichten. In einer vorab veröffentlichten Erklärung für die Abgeordneten wurden die eigenen Zusagen als rechtlich bindend bezeichnet.

Härte bei Viagra-Entwicklern


Am Dienstag und Mittwoch stehen Read und sein AstraZeneca-Kollege Pascal Soriot vor Parlamentsausschüssen Rede und Antwort. Befragt werden sollen ferner Wirtschaftsminister Vince Cable und Wissenschaftsminister David Willetts. Vorgesehen ist auch ein Auftritt von Pfizers Forschungschef Mikael Dolsten. Er wandte sich im Vorfeld bereits gegen Befürchtungen, dass die Mega-Fusion sich nachteilig auf die Arzneimittelforschung auswirken werde.

In Großbritannien gibt es starke Vorbehalte gegen die Pläne zum Erwerb von AstraZeneca, dem zweitgrößten Arzneimittel-Hersteller des Landes. Es wäre die größte Übernahme eines britischen Unternehmens durch einen Käufer aus dem Ausland. Das Vorhaben schürt Ängste vor dem Verlust von Arbeitsplätzen und einer Schwächung der britischen Pharmaforschung. Zudem schadete der Konzern Pfizer seinem Ansehen in Großbritannien, als er in seinem Forschungszentrum im Süden Englands, dort wo die Cashcow Viagra erfunden wurde, 1700 Jobs abbaute.

Pfizer ist den Bedenken zuvor schon mit einer Reihe von Zusagen für die kommenden fünf Jahre entgegengetreten. Für den Fall einer Annahme seiner Offerte verpflichtet sich der Konzern, AstraZenecas neues Forschungszentrum in Cambridge fertigzustellen, an einem Werk in Nordwesten Englands festzuhalten und ein Fünftel des Forschungspersonals in Großbritannien zu beschäftigen. Durch die Übernahme würde sich Großbritannien zu einer neuen Macht auf dem Gebiet der Forschung entwickeln, heißt es von Pfizer. Andererseits strebt Pfizer zu großen Teilen die Übernahme des britischen Konzerns an, um seine Steuerlast zu halbieren.

Trotzdem hat der US-Riese gute Karten. Pfizer wies etwa darauf hin, dass AstraZeneca nicht über die notwendige Finanzkraft verfüge, um weiterhin neue Medikamente zu entwickeln. Einige der Patente AstraZenecas würden demnächst ablaufen, und damit das Unternehmen weiterhin schwächen, erklärte Pfizer in einem Statement gegenüber dem parlamentarischen Komitee.