Peking/Moskau. Jahrzehntelang wurde um das Abkommen gerungen, nun ist der russisch-chinesische Gasliefervertrag unter Dach und Fach. Im Beisein der Präsidenten Wladimir Putin und Xi Jinping unterzeichneten die russische Gazprom und die China National Petroleum Corp (CNPC) am Mittwoch in Shanghai das Übereinkommen.

Ab 2018 liefert Gazprom damit bis zu 38 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr in die Volksrepublik. Für den Transport soll eine neue Pipeline errichtet werden, die die Gaslagerstätten in Sibirien mit den energiehungrigen Küstenregionen Chinas verbinden soll. Über den bis zuletzt umstrittenen Preis für das Erdgas wurde nichts mitgeteilt. Putin sagte lediglich, die Preisbildung werde ähnlich den Lieferungen nach Europa erfolgen. Inoffiziell wird das Geschäftsvolumen auf mehr als 400 Milliarden Dollar (291,9 Milliarden Euro) geschätzt.

Für das in der Ukraine-Krise unter Druck geratene Russland bedeutet das Abkommen einen politischen Erfolg. Angesichts des Streits mit dem Westen fürchtet der Kreml um seine Gasgeschäfte mit Europa und versucht verstärkt neue Einnahmequellen in Asien zu erschließen. Die Ukraine hat inmitten des Konflikts um die Halbinsel Krim und die Ostukraine ihre Zahlungen für russisches Gas eingestellt und Gazprom überhöhte Preise vorgeworfen. Russland hat daraufhin damit gedroht, Anfang Juni die Lieferungen einzustellen, wovon auch die Abnehmer im übrigen Europa betroffen sein könnten.

China seinerseits erhält durch den Deal in großem Umfang Zugang zu einer im Vergleich zur Kohle umweltfreundlicheren Energie. Ob das Abkommen sich auch wirtschaftlich rechnet, bleibt aber offen, solange der genaue Preis, den die Chinesen für das Erdgas zu zahlen bereit sind, und andere Details des Abkommens nicht klar sind.