Wer bei Fußballwetten Geld einsetzt, sollte nicht auf Lockangebote hereinfallen. - © fotolia/Flexmedia
Wer bei Fußballwetten Geld einsetzt, sollte nicht auf Lockangebote hereinfallen. - © fotolia/Flexmedia

Wien. (sf) Vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) Online-Sportwettenanbieter unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: "Die Branche agiert mit fragwürdigen Methoden", kritisiert VKI-Geschäftsführer Franz Floss. "Die vermeintliche Selbstverpflichtung zu ,Responsible Gaming‘ wird durch aggressives Marketing und zweifelhafte Praktiken konterkariert." Für den Test wurden bei Admiral Sportwetten, bwin, Cashpoint, Tipico und William Hill Wettkonten eröffnet und gewettet.

Während Besucher im Wettlokal pro Wettschein etwa acht bis zwölf Euro einsetzen, ist es im Internet mit rund 30 Euro das Dreifache, heißt es vom VKI. Als besonderes Zuckerl winkt bei manchen Anbietern ein Willkommensbonus. Bei Cashpoint sind es beispielsweise 100 Euro, bei William Hill gar 200 Euro. Tipico wirbt mit der Variante: "Zahl 50 Euro ein, wir schenken Dir 50 Euro dazu!" "Um an den versprochenen Bonus zu kommen, muss man den vierfachen Betrag einsetzen und ein so hohes Risiko in Kauf nehmen, dass man mit hoher Wahrscheinlichkeit um den gesamten Einsatz umfällt", heißt es vom VKI. Weitere "Geschenke" in Form von Bonusguthaben gelten nicht für Sportwetten, sondern müssen in Glücksspiele wie etwa Roulette oder Black Jack investiert werden, kritisieren die Konsumentenschützer.

Identitätsnachweis erst bei Geldauszahlung nötig

Bei der Anmeldung gaben die VKI-Tester einen Fantasienamen an, für die Einzahlungen verwendeten sie eine gültige, auf den Namen eines ihrer Tester ausgestellte Kreditkarte. Dass die Namen von Kreditkartenbesitzer und Wettkontoinhaber nicht übereinstimmten, störte bei der Anmeldung nicht. Bei der Auszahlung von Gewinnen wurde ein Nachweis der Identität mit Lichtbildausweis und Kreditkartenkopie verlangt. "Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Die Identität sollte bereits bei der Anmeldung konsequent überprüft werden", sagt VKI-Projektleiter Walter Hager. Einen eigenen Button für die Sperre des Benutzerkontos gebe es nur bei Admiral und bwin.

Wer mit dem Spielen aufhört, ohne das Konto zu löschen, riskiert bei manchen Anbietern, dass Verwaltungsgebühren kassiert werden. Finden auf einem Wettkonto länger keine Aktivitäten statt, werden Gebühren fällig. An bwin-Kunden werde folgende E-Mail geschickt: "Loggen Sie sich in Ihr Konto ein - ersparen Sie sich die Verwaltungsgebühr." Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von bwin sehen eine Verwaltungsgebühr von fünf Euro pro Monat vor. "Ein derartiges Vorgehen ist besonders für Spielsuchtgefährdete sehr problematisch", sagt Floss. Der VKI hat Klage wegen aggressiver Werbung eingereicht.

Die Novomatic-Tochter Admiral Sportwetten hat am Donnerstag die Anschuldigungen, soweit sie das eigene Unternehmen betreffen, zurückgewiesen: Admiral biete weder Gratis-Willkommensboni noch ein Online-Casino an und verrechne keinerlei Kosten für eine Wettkontoführung.

Sportwetten als "Geschicklichkeitsspiel"

Die Konsumentenschützer fordern einen leicht auffindbaren Button für die Sperre des Wettkontos, "keine unvorhersehbaren Kosten bei Kontoführung", konsequente Überprüfung der Identität bei Anmeldung und nicht erst bei Auszahlung und Fair Play bei der Auszahlung von Gewinnbeträgen.

Kritisiert wird von den Konsumentenschützern, dass der Bereich der Sportwetten trotz des suchtfördernden Charakters nicht der strengen Glücksspielregelung des Bundes unterworfen ist. Derzeit gelten Sportwetten nach österreichischem Recht nicht als Glückspiel, sondern lediglich als "Geschicklichkeitsspiel".