Zürich. Knapp zwei Wochen nach der historischen Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) steht auch in der Schweiz eine Sitzung der obersten Notenbanker an, die einige Änderungen mit sich bringen könnte. Entweder die Schweizer ziehen der EZB etwa bei negativen Einlagezinsen nach oder aber es wird der umgekehrte Weg eingeschlagen und die Zinsen werden wegen des Hypothekenbooms in der Schweiz erhöht. Möglich ist aber auch, dass alles beim Alten bleibt.

"Der Schweizer Häusermarkt bereite zwar Sorgen und eine restriktivere Geldpolitik wäre dringend geboten. Aber der Schweizerischen Notenbank (SNB) sind die Hände gebunden", schreibt Lutz Karpowitz von der Commerzbank in einem Kommentar. Denn letztlich sei die SNB mit ihrem Euro-Mindestkurs der Geldpolitik der EZB ausgeliefert. Einen unmittelbaren Handlungsbedarf durch die jüngsten Maßnahmen der Währungshüter in Frankfurt sieht der Commerzbank-Ökonom allerdings nicht. Die EZB hat am 5. Juni den Leitzins von 0,25 auf rekordtiefe 0,15 Prozent gesenkt und verlangt seither einen Strafzins von 0,1 Prozent von Banken, die ihr Geld lieber bei ihr deponieren, als es an Firmen und Haushalte weiterzugeben.

Komfortable Lage


Da es in der Schweiz derzeit keine Kreditklemme gibt, wäre ein negativer Einlagenzins der SNB als Verzweiflungstat zu werten, die nicht viel bringe, meint Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär. In der Vergangenheit habe eine solche Maßnahme große Umstände gebracht, aber am Ende sei nicht viel erreicht worden. "Aktionismus würde nur schlafende Hunde wecken." Auch mit Blick auf den Franken-Euro-Kurs sind zusätzliche Maßnahmen der SNB laut Acket nicht nötig. Das Währungspaar habe auf die jüngste Schritte der EZB kaum reagiert, der Euro notiere zwischen 1,217 und 1,22 Franken. Der Markt sei ruhig, seit Längerem gebe es nur noch Kleinstbewegungen.

Dabei sei die Lage für die SNB relativ komfortabel: Der Euro liegt klar über dem Mindestkurs von 1,20 Franken, es droht weder übermäßige Teuerung noch Deflation und die Wirtschaft wächst robust mit rund 2 Prozent. Acket erwartet von der SNB am Donnerstag daher eine sogenannte "Copy-Paste-Übung": unveränderte Zinsen und die Bekräftigung, den Euro-Mindestkurs nötigenfalls mit allen Mitteln durchzusetzen. Nicht unrealistisch scheint dagegen, dass die Schweizer Banken bald ihre Politik bei der Hypothekenvergabe auf Druck von SNB und Finanzmarktaufsicht verschärfen.