Wien. In einem halben Jahr tritt die neue EU-Lebensmittel-Informationsverordnung in Kraft, eine gewaltige Herausforderung für die Gastronomie. Ab 13. Dezember müssen sämtliche Restaurants, Gasthäuser, Kantinen und Imbissbuden jene 14 Produktgruppen, die Allergien und Unverträglichkeiten auslösen können, in den von ihnen servierten Speisen deklarieren. Dass das für Allergiker, die sich außer Haus verköstigen, eine Verbesserung darstellt, ist keine Frage. Heimische Wirte fürchten jedoch erhebliche Belastungen und warnen vor einem weiteren Vormarsch der Systemgastronomie.

Informationspflicht

Deklarationspflichtig sind laut EU-Regelung künftig Allergene wie Eier und Erdnüsse, Milcherzeugnisse, glutenhaltige Getreideprodukte, Krebstiere und Sellerie. Bisher mussten die wichtigsten Allergene lediglich auf verpackten Waren ausgewiesen werden. "Wir sind einer generellen Deklarationspflicht von Beginn an kritisch gegenübergestanden, da in der Gastronomie andere Voraussetzungen gelten als in der industriellen Lebensmittelproduktion", sagt Thomas Wolf, Geschäftsführer des Fachverbands Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Das betrifft die Verwendung von frischen regionalen Produkten ebenso wie die individuelle Speisenzusammenstellung auf Kundenwunsch."

Die Gretchenfrage lautet also: Wie soll die Information über jene für Allergiker gefährliche Stoffe an die Gäste weitergegeben werden? Müssen nun sämtliche Speisekarten in Telefonbuch-Stärke neu gedruckt werden, oder reicht es, wenn der Küchenchef bei Nachfragen über die Inhaltsstoffe Bescheid weiß? "Wir haben vom Gesundheitsministerium verlangt, dass im Rahmen der Umsetzung der EU-Richtlinie die Möglichkeit einer mündlichen Auskunftserteilung auf Anfrage eines Gastes vorgesehen wird", sagt Wolf. Ein Vorschlag, der in den Begutachtungsentwurf des Gesundheitsministeriums auch tatsächlich Eingang fand, bestätigt eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums: "In jedem Lokal muss eine geschulte Person, Koch oder Kellner, schriftlich ausgewiesen sein, die über Inhaltsstoffe in den Speisen Auskunft geben kann."

Doch der angestrebte Kompromiss, mit dem sowohl Allergiker-Verbände als auch Wirte zufriedengestellt werden sollen, hat einen gravierenden Schönheitsfehler. "Damit wird zwar einer zentralen Forderung des Fachverbandes gefolgt, doch geeignete Schulungen für die Mitarbeiter sind derzeit am Markt nicht vorhanden", ärgert sich Wolf. "Wir sehen es auch als eine Aufgabe des Gesundheitsministeriums, die Wirtschaft bei der Umsetzung dieser gesundheitspolitischen Maßnahme zu unterstützen."