Alitalia könnte bald das Luxussegment bedienen. - © ap/Bruno
Alitalia könnte bald das Luxussegment bedienen. - © ap/Bruno

Rom. Etihad kommt seinem Ziel einer eigenen europäischen Flugallianz näher. Nach einem monatelangen Verhandlungsmarathon um die krisengeschüttelte italienische Airline teilte die Fluggesellschaft aus Abu Dhabi am Mittwoch mit, sich im Grundsatz auf die Übernahme von 49 Prozent an Alitalia geeinigt zu haben. Beide Konzerne wollten das Geschäft nun so schnell wie möglich abschließen. Dies hänge jedoch von der Zustimmung der Kartellbehörden ab. In Europa hält die finanzstarke Airline vom Persischen Golf bereits knapp 30 Prozent an der hoch verschuldeten zweitgrößten deutschen Fluglinie Air Berlin, die wiederum Eigentümerin von FlyNiki ist.

"Die Haltung der arabischen Gruppe war hart, deshalb sind die Verhandlungen nur langsam vorangegangen", berichtete ein Insider. Erste Gerüchte über ein Interesse Etihads für Alitalia waren bereits im August 2013 kursiert, im vergangenen Dezember hatten die Araber in einem Datenraum die Geschäftsbücher der italienischen Fluglinie unter die Lupe genommen. Die Verhandlungen gerieten in den vergangenen Monaten mehrmals ins Stocken. Jetzt ist es zu einer Einigung gekommen. 2250 Stellen werden für die Investitionen in Höhe von 600 Millionen Euro geopfert, die Etihad bei Alitalia plant. Jeder siebente der insgesamt 14.000 Jobs bei Alitalia fällt weg. Italienische Gewerkschaften gehen deshalb auf die Barrikaden.

Nach Ansicht von Alitalia-Präsident Roberto Colaninno ist Etihad der "ideale strategische Partner". Die italienische Regierung versuchte schon länger, die in Abu Dhabi beheimatete Etihad zum Einstieg bei der Alitalia zu bewegen. Der einstige italienische Monopolist war 2008 privatisiert worden, blieb aber weiterhin Spielball römischer Politiker und Gewerkschafter. Daran ist bisher jede Sanierung gescheitert. Die Liaison mit den finanziell schlagkräftigen Arabern soll also viele Probleme lösen. Für Etihad ist der Deal mit Alitalia ein großer Coup. Alitalia befördert im Jahr 25 Millionen Passagiere und Italien ist der viertgrößte Reisemarkt in Europa. In den kommenden Tagen sollen Gespräche mit den Gläubigerbanken für die Neuverhandlung des Schuldenbergs in Höhe von 565 Millionen Euro beginnen. Etihad will zumindest ein Drittel dieser Schulden löschen. Bei seinem Anliegen kann Etihads Chef James Hogan mit der Unterstützung der Gläubigerbanken rechnen, zu denen auch die Bank Austria-Mutter UniCredit zählt.

Neustart im Luxussegment


Laut Hogans Vision soll Alitalia in eine Fluggesellschaft im Luxussegment umgewandelt werden, die mit Service und Qualität an Bord punktet. Geplant ist der Erwerb neuer Maschinen für Langstreckenflüge. Neun neue Flugzeuge für interkontinentale Verbindungen sollen bis 2018 eingesetzt werden. Der neue Alitalia-Großaktionär will einen Teil der Flüge von Mailand Malpensa auf den konkurrenzfähigeren City-Airport Linate verlegen. Von Etihads Einstieg soll auch der römische Flughafen Fiumicino profitieren. Die Zahl der interkontinentalen Flüge soll von 85 auf 100 pro Woche steigen. Etihad drängt zudem Italiens Staatsbahnen FS zum Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahn zwischen dem Airport Rom, Florenz und Bologna. Damit soll es den Fluggästen aus dem Ausland ermöglicht werden, rascher in die Kulturstädte zu gelangen.