"Monetäre und fiskale Maßnahmen haben uns ein wenig Luft verschafft. Aber das kann Strukturreformen nicht ersetzen. Steigende Schulden der öffentlichen Hand sind nicht dazu angetan, das Vertrauen zu erhöhen", sagt Caruana.

Die Notenbank-Politik ultraniedriger Leitzinsen bringe ebenfalls wenig - im Gegenteil, meint der BIZ-Boss: "Wenn dieser Zustand zu lange andauert, dann trägt das zu einem unerwünschten, neuen Gleichgewicht bei - einem Gleichgewicht von hohen Schulden, niedrigen Zinsen und anämischem Wachstum."

Caruana ist ein Anhänger der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik. Beschäftigung und Wachstum hängen nach dieser Theorie von den Kosten der Angebotsseite ab, Vertreter dieser Schule wollen eine Verbesserung der Investitionsbedingungen.
Zurück zu normaler Geldpolitik. Die Märkte seien nach Meinung des Chefs der BIZ zu sehr vom billigen Geld der vergangenen Jahre abhängig geworden. Diese Erwartungshaltung zu brechen, wird schwierig, so Caruana. Zudem würden einige Entwicklungsländer unter dem Zustrom von Liquidität leiden. Erklärung: Hot Money dieser Art fließt kaum in nachhaltige Investitionen und ist sehr flüchtig und scheu. Die niedrigen Zinsen würden sich kaum in erhöhten Investitionen des privaten Sektors niederschlagen, daher sei es nach Jahren des billigen Geldes an der Zeit, "mehr auf die Gefahren einer zu späten Normalisierung der Geldpolitik zu achten".

Stabileres Finanzsystem. Das Bankensystem habe zwar das Schlimmste überstanden, "aber es gibt noch Schwäche und Unsicherheit - vor allem in Europa", sagt Caruana. Die für den Herbst geplanten Stresstests der EZB seien ein guter Schritt, genauso wie die Reform der Bankenaufsicht auf europäischer Ebene.

Mit den meisten seiner Argumente widerspricht Caruana damit dem französischen Staatspräsidenten François Hollande und Italiens Regierungschef Matteo Renzi. Beide haben ja darauf gedrängt, den Stabilitätspakt flexibel zu interpretieren, um mehr Zeit beim Abbau ihrer Defizite zu bekommen. Caruana gibt der EZB indirekt mit Schuld, dass die Reformen in den Euro-Staaten erlahmt sind. "Wenn die Geldpolitik für lange Zeit sehr locker ist, vermindert sich dadurch der Reformdruck", sagt er. Man kann davon ausgehen, dass es im Turm der BIZ in Basel heftigen Richtungsstreit geben wird.