Wien. (sbl) Es geht aufwärts - zumindest in einigen Ländern Zentral-, Ost- und Südosteuropas. In den kommenden zwei Jahren soll das Bruttoinlandsprodukt in der Region laut einer Prognose des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) um durchschnittlich 2 bis 3 Prozent wachsen. Hilfreich für den überraschend starken Aufschwung sei vor allem der Aufwärtstrend Westeuropas und insbesondere Deutschlands, sagte WIIW-Ökonom Mario Holzer bei der Vorstellung der Studie am Donnerstag. Denn dadurch würden die Exporte in den untersuchten Ländern angekurbelt.

Wachstumseffekte gab es zuletzt auch durch das Ausschöpfen der EU-Fördertöpfe des letzten EU-Finanzrahmens. Kurz vor Ablauf der Einreichfristen zum Jahreswechsel hatten viele der Länder noch versucht, Projekte an Land zu ziehen. Dies führte vor allem in Litauen, Polen und Ungarn zu viel Aktivität. In Litauen wurde von den Geldern kürzlich ein neuer Flüssiggas-Terminal gebaut. Trotzdem bleiben die Investitionen für alle Länder mit Ausnahme Polens unter dem Niveau vor der Krise.

Probleme am Balkan


In den baltischen Staaten hat zudem der Konsum der privaten Haushalte zugelegt. Hier habe sich vor allem die Erhöhung der Mindestlöhne und der Pensionen ausgezahlt, sagte Holzer. Auch in Ungarn, wo für 2014 ein Wachstum von 2,6 Prozent prognostiziert wird, spielen die staatlichen Investitionen "eine wesentlich wichtigere Rolle als in normalen Zeiten", sagte WIIW-Experte Sandor Richter.

Keinen Aufschwung wird es allerdings in der Ukraine geben. Das WIIW erwartet für 2014 aufgrund massiv fallender Investitionen ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung von fünf Prozent. Der seit Monaten um politische Stabilität ringenden Ukraine macht zudem die Deflation zu schaffen. Sinkende Preise sind vor allem für verschuldete Privathaushalte ein Problem: Wenn der Betrag der Schulden fix bleibt, wird es schwieriger, Kredite zurückzuzahlen. Immerhin dürfte Mitte des Jahres die Talsohle erreicht werden und die Inflation wieder langsam anziehen.

Ein Schrumpfen der Wirtschaft wird auch für die Westbalkan-Länder Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina prognostiziert, die derzeit noch mit den Auswirkungen der Überschwemmungen im Mai kämpfen. Mitverantwortlich für die Rezession ist nach Ansicht des WIIW auch die budgetäre Sparpolitik. Auch Slowenien zählt weiter zu den Problemfällen. Hier rechnen die Ökonomen auch 2014 nicht mit einem Aufschwung. Ob sich durch die vorgezogenen Parlamentswahlen im Juli etwas daran ändern wird, sei schwer zu sagen, sagte WIIW-Ökonomin Hermine Vidovic. Denn das Programm des Favoriten Miro Cerar und seiner Anfang Juni gegründeten Partei lasse vieles im Unklaren. Besonders bei der Wirtschaftspolitik halte sich Cerar bis auf die Ankündigung, Privatisierungen rückgängig zu machen, bedeckt.