• vom 09.07.2014, 18:27 Uhr

International


Carlos Slim

Das Ende einer Monopolstellung




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  • Ein neues Gesetz bricht die Marktmacht von America Movil in Mexiko. Firmenchef Carlos Slim will nun Anteile verkaufen.

Carlos Slim will den Marktanteil von America Movil durch Verkäufe auf unter 50 Prozent drücken. - © epa

Carlos Slim will den Marktanteil von America Movil durch Verkäufe auf unter 50 Prozent drücken. © epa

Mexikostadt. (rs) Wenn das US-Magazin "Forbes" seine Liste der reichste Menschen auf diesem Planeten veröffentlicht, dann ist Carlos Slim meisten ganz oben dabei. Der 74-jährige Mexikaner verfügt über ein Vermögen von 72 Milliarden Dollar. Erwirtschaftet hat Slim diesen immensen Reichtum vor allem durch die Übernahme der Telefongesellschaft Telmex. Als Mexikos Präsident Carlos Salinas das staatliche Unternehmen 1990 zur Privatisierung ausschrieb, bekam Slim den Zuschlag für vergleichsweise günstige 1,8 Milliarden Dollar. Gewissermaßen als Mitgift erhielt Slim damals noch ein sechsjähriges Verbot für Konkurrenzbetriebe. Bis heute kontrolliert Slim mit seinen Unternehmen Telmex, Telcel und America Movil, das auch Großaktionär der heimischen Telekom Austria ist, den mexikanischen Telekommunikationsmarkt. Rund 70 Prozent des Mobilfunknetzes und rund 80 Prozent der Festnetzanschlüsse laufen über diese drei Firmen.


Doch die goldenen Zeiten ohne echte Konkurrenz scheinen für Slim ein für alle Mal zu Ende zu gehen. Mit einer sechsmonatigen Verzögerung und nach einer 20-stündigen Debatte stimmte das mexikanische Abgeordnetenhaus am Mittwoch einem neuen Gesetz zu, dass die Marktmacht von America Movil und des Fernsehanbieters Televisa brechen soll. Die mexikanische Regierung erhofft sich von der Öffnung des Marktes bis 2018 Investitionen in Höhe von 700 Milliarden Pesos (39,6 Milliarden Euro).

Slim hatte allerdings schon unmittelbar zuvor reagiert. Der Aufsichtsrat von America Movil verständigte sich noch am Dienstag darauf, die Aktivposten in Mexiko auf unter 50 Prozent herunterzufahren. Dadurch fällt America Movil unter jene Schwelle, ab der ein Unternehmen künftig als marktbeherrschend angesehen wird und besonderen Regulierungen unterworfen ist. So hätte etwa die Mobilfunktochter Telcel ihren Konkurrenten die Nutzung ihrer Netze nicht länger in Rechnung stellen dürfen. Außerdem könnte die Marktaufsicht in Zukunft dominierenden Firmen sogar die Telefontarife im Detail diktieren.

Von welchen Marktanteilen sich der Konzern konkret trennen möchte, ist allerdings noch nicht ganz klar. In einer Mitteilung von America Movil hieß es lediglich, es werde nun ein unabhängiger Käufer gesucht, der Erfahrungen in der Branche habe und über die nötigen finanziellen und technischen Ressourcen verfüge. Dem Vernehmen nach könnte sich Slim aber vor allem von Sendemasten und Netzinfrastruktur trennen wollen. In jedem Fall aber müsste ein solcher Verkauf aber noch von Regulierungsbehörden und Aktionären genehmigt werden.

Neue Chance im TV-Markt
Das neue Gesetz gilt vor allem als politischer Erfolg für Mexikos Präsidenten Enrique Pena Nieto, dem Kritiker zuletzt vorgeworfen hatten, zu wenig gegen die lahmende Konjunktur zu unternehmen. Doch auch für Slim könnten sich dadurch neue Möglichkeiten ergeben. Seit Jahren versucht der 74-Jährige, einen Zugang zum lukrativen mexikanischen Fernsehmarkt zu erhalten. Wegen seiner Vormachtstellung im Telefonsektor war ihm das seit der Privatisierung von Telmex allerdings untersagt. Auf dem Fernsehmarkt hat bisher Telvisa eine ähnlich dominante Stellung inne wie die von Slim geführten Unternehmen im Telekommunikationssektor. Das größte TV-Netzwerk der Welt für Programme in spanischer Sprache verfügt in Mexiko beim terrestrischen Empfang über einen Marktanteil von 60 Prozent. Bei den noch deutlich gewinnträchtigeren Kabel- und Satellitenangeboten ist man ebenfalls unbestrittener Marktführer.




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Dokument erstellt am 2014-07-09 18:32:04


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