Buenos Aires. Wie viel vor allem für Argentinien auf dem Spiel steht, sprang den Leser der großen europäischen Tageszeitungen bereits vor knapp einem Monat ins Auge. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der spanischen "El Pais", der "Financial Times" und der "Times" machte die Regierung in Buenos Aires mit ganzseitigen Inseraten gegen jene US-Hedgefonds mobil, deren Forderungen einen ganz Rattenschwanz an weiteren Konsequenzen nach sich ziehen würden und an deren Ende der neuerliche Staatsbankrott stehen könnte.

Genutzt hat die mediale Großoffensive, in der es längst auch schon um die Deutungshoheit über Gut und Böse geht, bisher jedoch nichts. Zwei Tage vor dem Ablauf der entscheidenden Frist sind sich Argentinien und die das Land bedrängenden Hedgefonds NML-Capital und Aurelius Capital Management noch keinen substanziellen Schritt näher gekommen. Am Freitag war ein argentinisches Verhandlungsteam unverrichteter Dinge wieder aus New York abgereist, am Montag wurden die Gespräche zwar fortgesetzt, allerdings ohne den gerichtlich bestellten Vermittler.

Die Investunternehmen hatten sich mit argentinischen Staatsanleihen eingedeckt, als diese wegen des hohen Ausfallsrisikos stark abgestürzt waren. Im Gegensatz zu 93 Prozent der Gläubiger beteiligten sich NML und Aurelius aber nicht an den beiden großen Schuldenschnitten der Jahre 2005 und 2010, mit deren Hilfe Argentinien nach der Staatspleite 2002 wieder einigermaßen auf die Beine kommen sollte.

Unter der Führung von NML-Chef Paul Singer, der in Argentinien als Inbegriff der "Heuschrecke" gilt, kämpfen die Hedgefonds stattdessen um die Auszahlung der Anleihen zu ihrem Nennwert, der bis zu 17 Mal höher liegt als das eingesetzte Kapital. Unterstützung erhielten Singer und seine Mitstreiter durch die US-Justiz, die entscheiden darf, weil die Anleihen nach US-Recht begeben wurden. Argentinien darf demnach seine anderen Gläubiger erst dann bedienen, wenn es jene 1,3 Milliarden Dollar bezahlt hat, die von den Hedgefonds gefordert werden. Eine Summe von knapp 600 Millionen Dollar, die die Regierung in Buenos Aires an die Bank of New York Mellon überwiesen hatte, um damit die Zinsen für die restlichen Gläubiger zu bezahlen, wurde vom US-Richter Thomas Griesa Ende Juni eingefroren. Falls es bis Mittwoch zu keiner Einigung mit den Hedgefonds kommt und das Geld für die Zinsen nicht ausbezahlt wird, würden die Ratingagenturen das als Zahlungsausfall werten.

Dass sich Argentinien trotz dieses Szenarios mit Händen und Füßen gegen eine Auszahlung der Hedgefonds wehrt, hat nicht nur mit dem vergifteten Verhältnis zu den Investmentunternehmen zu tun, die von Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner immer wieder als "Geierfonds" gebrandmarkt wurden. Das Land fürchtet vor allem auch die sogenannte Rufo-Regelung (Rights Upon Future Offers). Die noch bis 31. Dezember 2014 geltende Klausel verpflichtet Argentinien, im Fall einer besseren Abmachung mit den Hedgefonds allen Gläubigern die Zahlungen gleichermaßen aufzubessern. Nach Berechnung von Wirtschaftsminister Axel Kicillof würde das Nachzahlungen von bis zu 120 Milliarden Dollar bedeuten. Und eine solche Summe könnte das Land auch beim besten Willen nicht stemmen.

In jedem Fall ist es für Argentinien eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Denn auch wenn der von den Rating-Agenturen verhängte Default-Status auf den ersten Blick als das geringere Übel erscheint als neue Verbindlichkeiten in Höhe von 120 Milliarden Dollar, hätte dieser wohl massive Auswirkungen auf die ohnehin schon fragile wirtschaftliche Lage. Experten rechnen mit einem weiteren Konjunktureinbruch sowie einem Ansteigen der Inflation und einer neuerlichen Abwertung des Peso. Staatsnahe Organisationen und Unternehmen, aber auch Banken müssten zudem damit rechnen, von den internationale Kapitalmärkten abgeschnitten zu werden, meinte etwa der Ökonom Aturo Prozecanski gegenüber der "Finacial Times".