Wien. Wer auf herkömmliche Energie setzt, der hat schon verloren. Quer durch Europa geraten Energiekonzerne in arge Bedrängnis, die mit Atom-, Gas-, Öl- oder Kohlekraftwerken Strom produzieren. Grundlegendes Problem: Eingekauft werden teure fossile Brennstoffe; verkauft wird zum niedrigen Börsenstrompreis. Nicht zuletzt dank Förderung der erneuerbaren Energien einerseits und dem Überangebot andererseits, sinkt der Stromgroßhandelspreis stetig. Auch die Politik der EU schmeckt den Energieriesen, die nicht auf Ökostrom setzen, nicht: Sie hat als drei Ziele für 2030 ausgegeben: 40 Prozent CO2-Reduktion, 27 Prozent erneuerbare Energien und nun 30 Prozent Energieeinsparung.

Neuestes Beispiel eines angeschlagenen Unternehmens ist EnBW, der drittgrößte Energieversorger Deutschlands. Er rutschte in der ersten Hälfte dieses Jahres mit 735 Millionen Euro drastisch in die Verlustzone. Das Unternehmen führt dies auf milliardenschwere Wertberichtigungen bei seinen Gas- und Kohlekraftwerken zurück, die immer unprofitabler werden. Die EnBW ist in Österreich mit rund einem Drittel am niederösterreichischen Versorger EVN beteiligt und damit zweitgrößter Aktionär nach dem Mehrheitseigentümer Land Niederösterreich.

Deutsche Energiekonzerne haben es derzeit besonders schwer. Dafür sorgt einerseits der Atomausstieg des Landes, andererseits das neue Gesetz für erneuerbare Energien, das für diese eine ordentliche Förderung zulasten der herkömmlichen Energien bringt. Das bekommt unter anderen auch der schwedische Energiekonzern Vattenfall zu spüren, der in Deutschland einige Atomkraftwerke betreibt. Für die Stilllegung der Meiler schlugen sich bereits 400 Millionen Euro an Rückstellungen auf die Bilanz.

In Österreich zieht der Energieversorger Verbund Konsequenzen. Das Gaskraftwerk im steirischen Mellach sowie die beiden Anlagen in Frankreich - Pont-Sur-Sambre und Toul - werden 2015 eingemottet. Das Ölkraftwerk Neudorf/Werndorf II wird im Dezember geschlossen. Das Steinkohlekraftwerk Dürnrohr soll - vorbehaltlich einer Entscheidung des deutschen Netzbetreibers Tennet für eine mögliche Inanspruchnahme als Kaltreserve - im kommenden Jahr geschlossen werden. Die Wertpapierexperten von der Erste Group senkten diese Woche das Kursziel des heimischen Energieversorgers Verbund von 12,5 auf 12,3 Euro.

Auch der deutsche Energiekonzern RWE will aufgrund von Gewinneinbrüchen weitere Kraftwerke stilllegen, hat jedoch bereits im vergangenen Jahr Anlagen mit einer Leistung von mehr als 12.600 Megawatt eingemottet.