Bankomatkarte statt Münzen: Wer Zahlungen und Überweisungen bargeldlos erledigen kann, spart sich hohe Spesen. - © fotolia/Gina Sanders
Bankomatkarte statt Münzen: Wer Zahlungen und Überweisungen bargeldlos erledigen kann, spart sich hohe Spesen. - © fotolia/Gina Sanders

Wien. Alle in der EU ansässigen Bürger bekommen spätestens ab 2016 das Recht auf ein Basis-Girokonto - damit wird eine langjährige Forderung von Schuldnerberatungen und Konsumentenschützern umgesetzt. "Das Recht ist ein Zeichen gegen finanzielle Ausgrenzung und ein lange fälliger Schritt", sagt Hans W. Grohs, Geschäftsführer des Dachverbandes asb der Schuldnerberatungen. Er wünscht sich für den Herbst einen Fahrplan für die Umsetzung in Österreich.

Bis spätestens Frühjahr 2016 haben die Mitgliedsländer Zeit, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Sozialminister Rudolf Hundstorfer war nach dem Beschluss im April "überzeugt, dass dieser Rechtsanspruch in Österreich rasch Realität wird". Vom Sozialministerium waren keine Details zum geplanten Gesetz in Erfahrung zu bringen.

40.000 Menschen in Österreich ohne Bankverbindung

Bei der Umsetzung des EU-Parlamentsbeschlusses haben die Mitgliedsländer nämlich Spielraum: Das EU-Parlament hat sich dafür ausgesprochen, dass auch Menschen ohne festen Wohnsitz das Recht haben, ein Girokonto zu eröffnen. Das Basis-Konto soll Kunden ermöglichen, europaweit Geld zu überweisen, Bargeld am Automaten abzuheben oder Online-Überweisungen zu tätigen. Die Mitgliedsstaaten können selbst entscheiden, ob das Basiskonto auch überzogen werden kann. Offen lässt das EU-Parlament auch, ob die Leistungen kostenlos oder gegen eine angemessene Gebühr erbracht werden. Die Mitgliedsländer müssen zumindest ein Institut bestimmen, dass ein Basisangebot zur Verfügung stellt - das dürfen aber nicht ausschließlich Direktbanken sein, die ihre Dienste nur online anbieten. Grohs wünscht sich, dass möglichst viele Banken ein Basiskonto zur Verfügung stellen - dann könnte auch der Aufwand gut verteilt werden.

Geschätzte 40.000 Menschen leben in Österreich ohne Bankkonto, heißt es von der Zweiten Sparkasse, die sich hierzulande als "Bank für Menschen ohne Bank" etabliert hat. Nach Schätzungen der Weltbank haben derzeit rund 25 Millionen EU-Bürger über 15 Jahren kein Konto, würden aber gerne eines haben.

Ohne Konto Probleme bei Arbeits- und Wohnungssuche

Banken verweigern vor allem dann einen Kontovertrag, wenn die Person überschuldet ist oder ein Eintrag in Warnlisten des Kreditschutzverbandes oder der Banken vorliegt. Auch Obdachlosigkeit und fehlende Dokumente sind Gründe, warum Personen ein Konto verwehrt wird. Zudem haben viele Pensionisten kein Konto und bekommen ihre Pension per Barüberweisung über die Post ausgezahlt, so Grohs.