Berlin. Der Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen steht vielleicht bald vor Gericht. Nach langwierigen Ermittlungen wegen versuchten Prozessbetrugs hat die Staatsanwaltschaft laut Insidern die Anklageschrift gegen Fitschen, seine Amtsvorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie weitere Ex-Vorstände beim Landgericht München eingereicht. Die Anklageschrift ist umfangreich, sie soll mittlerweile 600 Seiten dick sein und drei Kilo wiegen. Wenn die Informationen stimmen, hat der amtierende Chef der Deutschen Bank ganz offiziell den Status eines Angeschuldigten.

Die deutsche Staatsanwaltschaft hat gegen die Banker ermittelt, weil diese im Prozess des 2011 verstorbenen Medienmoguls Leo Kirch und seiner Erben gegen die Bank die Justiz getäuscht haben sollen, um Kirchs Schadenersatzforderungen abzublocken. Das Landgericht München prüft Insidern zufolge nun, ob es die Anklage zulässt und ein Gerichtsverfahren beginnt. Alle Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück. Anders als Formel-1-Chef Bernie Ecclestone will er sich Fitschen aber nicht freikaufen. Er hat das Angebot der Münchner Staatsanwaltschaft abgelehnt, 500.000 Euro Bußgeld wegen Verletzung seiner internen Aufsichtspflichten zu zahlen. Damit wäre das Verfahren gegen ihn ohne Anklage beendet gewesen. Schlechter als für Fitschen sieht es für Ackermann, Breuer, Clemens Börsig und Tessen von Heydebreck aus. Sie sollen - im Gegensatz zu Fitschen - als Zeugen bei Gericht versucht haben, die Justiz hinters Licht zu führen.

"Kein Kommentar"

Die Deutsche Bank, die sich stets hinter Fitschen gestellt hat, wollte die neuen Entwicklungen nicht kommentieren. "Eine Anklageschrift liegt uns bislang nicht vor. Die Deutsche Bank kommentiert grundsätzlich laufende Verfahren nicht und verweist auf frühere Äußerungen, wonach sie davon überzeugt ist, dass sich der Verdacht gegen Jürgen Fitschen als unbegründet erweisen wird", heißt es hier.

Zuständig für den Fall ist Richter Peter Noll, der vor kurzem den Prozess gegen Ecclestone überraschend eingestellt hat. Noll muss nun die Akten studieren und sie dann den Beschuldigten und ihren Verteidigern postalisch übermitteln. Wenn sie anschließend dazu Stellung genommen haben, entscheidet Nolls Wirtschaftsstrafkammer über eine Zulassung der Anklage. "Das kann noch Monate dauern", sagte ein Beteiligter. Allein die Anklageschrift zähle mehrere hundert Seiten, hinzu kämen ganze Umzugskartons voller Beweismittel.