Washington. Auch sechs Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise lassen die USA bei der Regulierung ihrer Banken nicht locker. Die Notenbank Fed will die Kapitalvorgaben für die größten Geldhäuser des Landes noch einmal verschärfen. Das geht aus einem Redemanuskript des für die Bankenaufsicht zuständigen Notenbankvertreters Daniel Tarullo für eine am Dienstag vorgesehene Anhörung des Senats hervor.

Institute, die besonders stark auf eine kurzfristige Finanzierung setzen, sollen demnach zusätzliche Kapitalpuffer aufbauen. Das würde insbesondere klassische Investmentbanken mit einem starken Handelsgeschäft wie Goldman Sachs und Morgan Stanley treffen, die zu deutlich mehr als einem Drittel auf solch kurzfristige Gelder setzen und kaum Einlagengeschäft betreiben. Darin sieht die Fed eine Gefahr für die Finanzstabilität. In der Krise hatte sich das vielerorts als fatal erwiesen, weil sich Banken schlagartig untereinander kein Geld mehr liehen. Die Fed will die Banken nun dazu zwingen, entweder stärker Verluste auffangendes Kapital aufzunehmen oder sich langfristiger zu finanzieren.

Über die genaue Höhe des zusätzlichen Kapitalpuffers und die Berechnungsmethode des Risikos gibt es noch keine Entscheidung. Laut dem "Wall Street Journal" sollen die Anforderungen einige Punkte über den bisher international vereinbarten Zuschlägen für systemrelevante Banken liegen. Die Basel-III-Vorgaben sehen bisher eine um bis zu 2,5 Prozentpunkte höhere harte Kernkapitalquote als für kleine Institute vor. Dem neuen Vorschlag zufolge könnte der Zuschlag bis zu 4,5 Prozentpunkte höher liegen.

Die USA würden mit der Verschärfung ein weiteres Mal über die nach der Krise international vereinbarten neuen Regeln für Banken ("Basel III") hinausgehen. Die Fed argumentiert, dass in den ursprünglich ausgehandelten Vorgaben die speziellen Risiken einer stark kurzfristigen Finanzierung zu wenig abgebildet seien. Sie will sich nun dafür einsetzen, dass die geplanten Vorgaben auch in anderen Ländern umgesetzt werden, wie das "WSJ" schreibt.

Bereits vor gut einem Jahr hatten die USA ihren Banken zusätzliche Vorgaben bei einer anderen wichtigen Kapitalkennziffer gemacht. So müssen US-Institute künftig 5 bis 6 Prozent ihrer gesamten Bilanzsumme mit Eigenkapital unterlegen. Basel-III-Regeln sehen für die sogenannte Leverage Ratio eine Quote von 3 Prozent vor. Gerade in Europa ist das aber höchst umstritten, weil diese Kennziffer unterschiedlich große Risiken außer Acht lässt. Zudem lassen verschiedene Rechnungslegungsstandards weltweit die Bilanzsummen von Banken in den USA kleiner aussehen.