London/Edinburgh. (tr/reuters) Auch im Londoner Finanzzentrum "City" war am Freitag deutliche Erleichterung zu spüren, als die Schotten für den Verbleib in der Union gestimmt hatten. Bereits kurz, nachdem das Ergebnis bekannt geworden war, erreichte das britische Pfund ein Zwei-Jahres-Hoch gegenüber dem Euro. Auch legten die Aktien der größten schottischen Finanzunternehmen wieder zu. Die Royal Bank of Scotland (RBS) etwa, die im Vorfeld von Notfallplänen gesprochen hatte, die eine Abwanderung des traditionsreichen Geldinstituts nach London vorsah, falls die Schotten für die Unabhängigkeit stimmten, kündigte an, diese Pläne verworfen zu haben. Die Aktie gewann daraufhin an 3,5 Prozent. Auch die schottische Lloyds Bank und die Versicherungsgesellschaft Standard Life gewannen je 1,5 und 1,7 Prozent.

Das "No" der Schotten zur Unabhängigkeit beschwichtigte die von den knappen Umfragewerten beunruhigten Märkte, die die Union bereits auf der Kippe zum Kollaps gesehen hatten. Analysten sehen in der Börsenentwicklung rund um das Referendum eine Warnung vor einem britischen EU-Austritt, der nun wesentlich unwahrscheinlicher sei, nachdem man nun gesehen hätte, was für ein großes Risiko allein die Möglichkeit einer solchen Umwälzung für die Märkte bedeuten kann.

Während der britische Börsenindex FTSE 100 nach Verkündung des Ergebnisses an 0,6 Prozent insgesamt gewann, legten vor allem die Aktien der Unternehmen wieder zu, die stark vom Nordsee-Öl Schottlands abhängig sind. Die niederländische Ölfirma Royal Dutch Shell sagte, der Verbleib der Schotten im Königreich "reduziere die Verunsicherung der Firmen" die Geschäfte in Schottland abwickeln.

Die stärksten Bewegungen auf den Märkten gab es allerdings bei den Devisen. Die Schwankungen erreichten kurz vor dem Referendum Ausmaße, die man seit dem Kollaps der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 nicht mehr gesehen hatte. Vor allem die Kosten von Sicherheitsmaßnahmen, die Finanzdienstleister ergreifen können, um sich gegen starke Pfundschwankungen abzusichern, waren davon betroffen. Nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses am Freitag gingen sie jedoch wieder um mehr als die Hälfte zurück.

Die britische Währung selbst wurde durch das Ergebnis um 0,5 Prozent gestärkt und erreichte mit 1,28 den höchsten Stand gegenüber dem Euro in den letzten zwei Jahren.

Jedoch sind die Auswirkungen auf die Märkte damit nicht einfach weggewischt. Im Gespräch mit der "Financial Times" sagte etwa John Cridland, Generaldirektor der Confederation of British Industry: "So eine schwierige Kampagne hinterlässt unweigerlich Narben, die Zeit brauchen werden, um zu heilen." In die gleiche Kerbe schlug die Aussage der britischen Währungsexpertin Jane Foley von der Rabobank: "Obwohl durch den Sieg der Nein-Kampagne große Turbulenzen vermieden werden konnten, wird man in Großbritannien zu spüren bekommen, dass ein anderer Wind weht." Für sie zeigt das, dass es auch künftig Instabilität auf den Märkten geben kann, die durch politische Veränderungen ausgelöst werden.

Einen Blick in die Zukunft wirft auch der RBS-Ökonom Sam Hill: "Zwar müssen in Sachen Dezentralisierung eine Menge politische Punkte geklärt werden, jedoch werden sich ökonomische Fragen nun wieder um Währungspolitik drehen.