San Francisco. Der US-Onlinehändler eBay beugt sich dem Druck eines Investors und spaltet seinen rasant wachsenden Bezahldienst PayPal nun doch ab. PayPal werde als eigenständiges Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte 2015 an die Börse gebracht, teilte eBay am Dienstag mit. Die Konzernführung sei zu dem Schluss gekommen, dass eBay und PayPal jeweils alleine besser aufgestellt seien, sagte Vorstandschef John Donahoe. Damit folgt er überraschend der Argumentation des einflussreichen Investors Carl Icahn.

Icahn, der mit knapp 2,5 Prozent an eBay beteiligt ist, hatte sich wiederholt und gewohnt lautstark für die Aufspaltung starkgemacht. eBay und PayPal könnten getrennt voneinander insgesamt mehr wert sein und stärker wachsen, so seine Argumentation. Der Umsatz in den Handelsbereichen von eBay kletterte in den vergangenen vier Quartalen um 10 Prozent auf 9,9 Milliarden Dollar. PayPal legte im selben Zeitraum um 19 Prozent auf 7,2 Milliarden Dollar (5,7 Milliarden Euro) zu.

Börsianer entzückt


Noch im Frühjahr hatte eBay das Ansinnen zurückgewiesen und sich zunächst gegen Icahn durchgesetzt. Der für sein aggressives Finanzgebaren bekannte Aktionär zog im April nicht nur seine Forderung zurück, PayPal vom Konzern abzuspalten, sondern auch zwei Vertraute in den Verwaltungsrat zu bringen. Icahn legt sich immer wieder mit Unternehmen - zuletzt etwa Apple und Dell - an, um kurzfristig Vorteile für die Aktionäre herauszuholen, etwa in Form von Sonderausschüttungen.

An der Börse wurde der Schritt honoriert: eBay-Aktien verteuerten sich um mehr als 6 Prozent auf 56,05 Dollar. Die eBay-Handelsaktivitäten könnten nun attraktiver für Übernahmen werden, hieß es in einer Kurzstudie der Investmentbank Piper Jaffray.

Zuletzt war das chinesische Amazon-Pendant Alibaba in New York an die Börse gegangen. Mit 25 Milliarden Dollar (19,7 Milliarden Euro) sammelte es so viel Geld ein wie bisher kein anderes Unternehmen und will nun in Amerika expandieren.

PayPal mit seinen 140 Millionen aktiven Nutzern gilt als Stütze von eBay. Über den Bezahldienst können Kunden ihre Interneteinkäufe abwickeln. Die Firma wurde Ende der 1990er Jahre gegründet und ging 2002 an die Börse. Kurz darauf kaufte eBay den Dienst für 1,5 Milliarden Dollar (1,18 Milliarden Euro). Im zweiten Quartal des heurigen Jahres steigerte eBay dank PayPal seinen Umsatz um 13 Prozent auf 4,37 Milliarden Dollar (3,44 Milliarden Euro).