Wien. (sf) Rund jede zweite Bodylotion, jedes zweite Aftershave sowie jede fünfte Zahnpasta enthält hormonell wirksame Chemikalien, wie eine Untersuchung der Umweltschutzorganisation Global 2000 ergeben hat. Mit der "ToxFox"-App können Verbraucher durch Scannen des Strichcodes herausfinden, ob in Kosmetika hormonell wirksame Chemikalien enthalten sind und falls ja, welche das sind. Bei belasteten Produkten kann eine Protestnachricht an den Hersteller gesendet werden. Die App wurde vom Global-2000-Partner "Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland" entwickelt und überarbeitet.

Hormonell wirksame Chemikalien (endokrine Disruptoren) können aufgrund ihrer strukturellen Ähnlichkeit mit körpereigenen Hormonen die sensiblen hormonellen Steuerungsprozesse im Körper negativ beeinflussen und irreversible Gesundheitsschäden verursachen, warnt Global 2000. Sie werden vor allem als Konservierungsmittel und als UV-Filter eingesetzt. "Hormonell wirksame Chemikalien aus Körperpflegeprodukten - wie Parabene, der häufig verwendete hormonelle Weichmacher Diethylphthalat oder UV-Filter - durchdringen Haut und Schleimhäute und sind im Körper der meisten Menschen nachweisbar. Mögliche Folgen sind unter anderem verminderte Spermienqualität, erhöhtes Risiko von Brust- und Hodenkrebs sowie Verhaltensstörungen bei Kindern", so Andreas Lischka, langjähriger Vorstand der Kinderklinik Glanzing. Wiens Umweltstadträtin Ulli Sima und Global 2000 starten eine Infokampagne zu Hormonen in Kosmetik. Zudem soll auf EU-Ebene Druck gemacht werden, damit strengere Regeln zu hormonell wirksamen Chemikalien umgesetzt werden. Die Absenkung der Grenzwerte zweier Parabene in der EU 2015 gehe zu wenig weit. "Nur ein Verbot sämtlicher Parabene kann den Gesundheitsschutz gewährleisten", so Umweltchemiker Helmut Burtscher von Global 2000.