• vom 08.10.2014, 18:21 Uhr

International


Lehman Brothers

Großbanken einigen sich auf neue Regeln bei Derivaten




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  • "Financial Times": Änderungen im 700-Billionen-Dollar schweren Markt sollen 2015 in Kraft treten.

Die Abwärtsspirale von damals soll sich nicht wiederholen. - © epa/looi

Die Abwärtsspirale von damals soll sich nicht wiederholen. © epa/looi

New York. (wak) Eine Pleite wie bei Lehman Brothers muss der Vergangenheit angehören. Das scheint in der Theorie in Finanzkreisen sechs Jahre später nun Konsens zu sein, in der Praxis wird noch immer um die Beibehaltung alter Rechte gerungen.


Nach monatelangen Gesprächen einigten sich nun 18 Großbanken, von Credit Suisse bis zu Goldman Sachs, auf neue Regeln für den Derivatemarkt, der 700 Billionen Dollar (rund 550 Billionen Euro) schwer ist. Dabei geht es vor allem um eine weichere Landung für strauchelnde Banken, als es 2008 der Fall war, nachdem Lehman Brothers Insolvenz angemeldet hatte - mit spektakulären Folgen. Da die US-Regierung sich dafür entschied, Lehman Brothers nicht zu retten, sprangen sämtliche Partner-Institute ab - und traten von ihren Verträgen zurück, was natürlich die Abwärtsspirale der Bank beschleunigte.

Nun haben sich laut "Financial Times" die Großbanken geeinigt, ihr bisheriges Recht aufzugeben, Derivat-Kontrakte mit einem kriselnden Institut sofort aufzulösen.

Das Schiff nicht mehr verlassen
Die US-Regulierungsbehörden hatten in der Vergangenheit die Krisenbewältigung und Feuerwehrpläne der Industrie als inadäquat verurteilt und hatten von den Banken verlangt, einen Plan zu erarbeiten, um der Sofort-Aufkündigung von Derivat-Kontrakten ein Ende zu setzen. Laut "Financial Times" feierten die Banken nun die Einigung als ein "seltenes positives Beispiel der Zusammenarbeit" in der Industrie. Die für Derivate zuständige Organisation Isda ("International Swapes and Derivate Association") werde die neuen Regeln in den nächsten Tagen bekanntgeben. Sie werden mit 1. Jänner 2015 in Kraft treten.

Laut einem Bericht der US-Regierung haben 80 Prozent der Derivate-Partner von Lehman Brothers ihre Verträge innerhalb von fünf Wochen nach Bekanntgabe der Insolvenz der Bank aufgelöst.

Das hat zwar den Vertragsparteien geholfen, ihre Risiken zu verringern, aber es hat auch bedeutet, dass die Insolvenzverwalter von Lehman Brothers noch Jahre später vor Gericht etwaigen Kollateralschaden und Schadensersatz von den ehemaligen Partnern zurückkämpfen mussten.

Eine der Erschwernisse mit Lehman wäre gewesen, dass sämtliche Händler von Derivaten und deren Klienten die Finanzierung sowie die Aufträge zurückgezogen hätten, sobald eine Niederlassung mit Problemen zu kämpfen hatte, was zu weiterer Instabilität am Markt geführt habe, heißt es aus den Bankenkreisen.

Das habe es noch schwieriger gemacht, für den verbleibenden Rumpf von Lehman Brothers einen Käufer zu finden. Die derzeit vorherrschende Meinung in den USA ist nämlich, dass man das Herz eines strauchelnden Instituts erhalten solle. Durch Rekapitalisierung oder Verkauf des Kernstücks wäre der Schock für die Finanzwelt nicht ganz so hart ausgefallen, wie es in der Realität schließlich der Fall war.

"Der Finanzsektor würde die Verluste absorbieren, aber das Institut würde am Leben bleiben", heißt es aus den Verhandler-Kreisen. Wenn die neuen Derivate-Regeln unterschrieben werden, "ist das ein wichtiger Schritt, um mit dem Dogma ‚Too big to fail‘ abzuschließen", nämlich, dass Großbanken gerettet werden müssen, da eine Pleite ansonsten das weltweite Finanzsystem durcheinanderbringen würde.

Die meisten Derivat-Kontrakte würden durch die neue Vereinbarung gedeckt werden, allerdings sind noch verschiedene Punkte offen. Fraglich ist derzeit noch, ob auch große institutionelle Anleger wie BlackRock von den Regeln betroffen sein werden, speziell, wenn es sich um transnationale Verträge handelt.




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Dokument erstellt am 2014-10-08 18:26:06


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