Trinkwasser ist kostbar: Frauen waten mit leeren Metallgefäßen in der westindischen Provinz Gujrat durch einen Fluss, um Trinkwasser zu holen. - © reuters/Amit Dave
Trinkwasser ist kostbar: Frauen waten mit leeren Metallgefäßen in der westindischen Provinz Gujrat durch einen Fluss, um Trinkwasser zu holen. - © reuters/Amit Dave

Wien. Sauberes Wasser ist in Zukunft eine rare und damit heiß umkämpfte Ressource - darüber sind sich Klimaforscher und Umweltschützer einig. Vor allem der Klimawandel führt zu einer immer höheren Beanspruchung der europäischen Süßwasserressourcen. Dass davon vor allem die Regionen im Süden mit geringem Niederschlag und hoher Bevölkerungsdichte betroffen sind, leuchtet ein. Doch nun warnt die EU-Kommission, dass es "auch in Regionen mit gemäßigtem Klima und intensiver Landwirtschaft, viel Tourismus und starker Industrietätigkeit zu Problemen kommen kann". Wachsende Branchen-Konkurrenz um das kostbare Nass und die Gefährdung hochwertiger Wasserressourcen wären die Folge.

Öffentliche Konsultation


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Beteiligung am Konsultationsprozess der EU-Kommission
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Um diesem Szenario gegenzusteuern, hat die Kommission die Wiederverwendung von Wasser auf ihrer Prioritätenliste ganz nach oben gerückt. In einer öffentlichen Konsultation will die Kommission bis 7. November 2014 wissen, "wie Bürger, Interessenträger, Unternehmen, NGOs und öffentliche Behörden über das Potenzial der Wasser-Wiederverwendung denken und welche EU-Maßnahmen die gefahrlose Wiederverwendung von Wasser fördern könnten".

Tatsächlich wird Wasser in Europa zurzeit kaum wiederverwendet, obwohl die Hälfte der europäischen Bevölkerung in Ländern mit Wasserknappheit lebt. "Ein höherer Wiederverwendungsgrad könnte dazu beitragen, die zunehmenden Probleme der Wasserknappheit und Dürre anzugehen und gleichzeitig das Risiko der Verschmutzung durch Abwasser sowie die Kosten für die Reinigung zu senken", hoffen die Verantwortlichen in der Europäischen Union. Fehlende EU-weite Umwelt- und Gesundheitsstandards für recyceltes Wasser verhindern die erneute Nutzung derzeit aber ebenso wie fehlende Akzeptanz durch die Verbraucher und mangelndes Problembewusstsein der Interessenträger.

Wasserreiches Österreich

"In Österreich gibt es aufgrund der ausgiebigen und ausgezeichneten Wasserressourcen nur einen geringen Grad an Wiedernutzung und dementsprechend keine sehr hohen Anstrengungen in diesem Bereich", betont eine Sprecherin des, für die heimische Wasserqualität zuständigen, Landwirtschaftsministers Andrä Rupprechter.

"Selbstverständlich werden alle Möglichkeiten einer innerbetriebliche Mehrfachverwendung und Kreislaufführung auch in Österreich genutzt, um die Abwasserreinigung möglichst zu entlasten und ressourcenschonend zu produzieren." Generell zeigt man sich im Landwirtschaftsministerium überzeugt, dass eine höhere Wiederverwendung für wasserreiche Länder weniger bringen würde als in südlichen Ländern. "Dort könnte damit sehr wohl ein Beitrag für eine teilweise Linderung der ,Wassernöte‘ geleistet werden", heißt es aus dem Ministerium. "Allerdings kann die Wiederverwendung gereinigten Abwassers nur Teil einer umfassenden Strategie sein. Mindestens ebenso wichtig wäre es, alle Möglichkeiten, einschließlich wirtschaftlicher Steuerungsinstrumente, für einen wirklich sparsamen und sorgsamen Umgang mit Wasser zu nutzen."