Wien. (kle) Für österreichische Kreditnehmer, die sich in Franken verschuldet haben, kommt der unerwartete Schritt der Schweizer Notenbank einem Keulenhieb gleich. Mit dem dadurch ausgelösten Absturz des Euro hat sich ihre Schuldenlast quasi über Nacht massiv - um ungefähr ein Sechstel - vergrößert.

Verliert der Euro zum Franken weiter an Wert, könnten Probleme bei der Tilgung dieser Schulden akut werden. Etliche heimische Banken hätten dann wohl auch ein Problem. Jedenfalls werden die meisten Franken-Kredite 2020 fällig.

Auf private Haushalte und Unternehmen in Österreich entfallen derzeit immerhin laut Nationalbank aushaftende Franken-Kredite im Gesamtvolumen von 29,5 Milliarden Euro. Josef Schmidinger, Chef der S-Bausparkasse und der S-Wohnbaubank schätzt, dass rund 220.000 Österreicher einen Franken-Kredit haben - vor allem Hausbauer.

"Könnte sein, dass Banken Nachbesicherung verlangen"

"Das aushaftende Franken-Kreditvolumen hat sich zwar in den vergangenen zwei Jahren um 20 Prozent reduziert, aber mehr als 20 Milliarden haben wir noch", sagt Schmidinger. Seine Zahlen beziehen sich auf private Haushalte, konkret sind es 24,9 Milliarden Euro. "Wenn der Franken um ein Prozent aufwertet, dann ist das kein Thema", so Schmidinger. "Aber wenn es größere Schwankungen gibt, dann kann es natürlich zu Bewertungsthemen bei den Häusern kommen."

Das Problem sei, dass die meisten Kredite von Hausbauern in den Jahren 1999 bis 2008 aufgenommen worden seien. Viele der mit dem Geld gebauten Häuser hätten inzwischen eher an Wert verloren und reichten deshalb zur Besicherung der nun schlagartig größer gewordenen Kreditschulden nicht mehr aus, erklärt der Bausparkassen-Chef. "Es könnte nun sein, dass die Banken Nachbesicherungen verlangen."

Wenn man dazu nicht in der Lage sei, werde man von seiner Bank aufgefordert werden, den Kredit in Euro zu konvertieren. "Dann haben Sie als Kunde den Kursverlust endgültig kassiert und müssen den höheren Eurobetrag zurückzahlen, wenn Sie sich das finanziell leisten können." Allerdings seien Euro-Kredite derzeit sehr günstig, sagt Schmidinger. "Daher hat man da von der Kreditfähigkeit her etwas Luft."

Georg Kantner, Insolvenz-Experte des Kreditschutzverbandes KSV 1870, glaubt indes nicht, dass es angesichts der aktuellen Problematik rund um Franken-Kredite zu einer Konkurswelle bei Privatpersonen kommt. "Ich sehe da keine große Gefahr." Der Wert vieler Liegenschaften sei gerade in Österreich in den vergangenen fünf Jahren erheblich gestiegen, betont Kantner im Gegensatz zu Schmidinger. Wenn es also hart auf hart kommen sollte und die Franken-Kreditschulden nicht zurückgezahlt werden können, gäbe es immer noch eine "werthaltige Immobilie", so Kantner. Der Verkaufserlös würde dann die Schuldensumme abecken.

Dass Fremdwährungskredite - in Österreich sind es überwiegend Darlehen in Franken - hochriskant sind, davor hat die Nationalbank, wie sie am Donnerstag erneut betonte, stets gewarnt. Nur allzu deutlich hatte die Finanzkrise gezeigt, wie riskant solche Kredite sein können. Risiken bestehen für den Kreditnehmer gleich in dreifacher Hinsicht: beim Währungskurs, bei den Zinsen sowie bei der Performance des Tilgungsträgers (Fonds, Aktien etc.), mit dem bei endfälligen Ausleihungen am Laufzeitende der Kredit getilgt werden soll. Diese mehrfachen Risiken waren der Grund, warum die Finanzmarktaufsicht die Vergabe neuer Fremdwährungskredite im März 2010 verboten hat. Seither haben auch die Banken, die ebenfalls ein hohes Risiko tragen, viele Kreditnehmer dazu bewogen, ihre Franken-Schulden in Euro-Schulden zu konvertieren.

Franken bringt Banken ins Schwitzen

Österreichs Banken haben in Osteuropa (ohne GUS) 13,7 Milliarden Euro an Franken-Krediten vergeben. Polen ist besonders betroffen. In Polen hat das Ende des Mindestwechselkurses für den Franken am Donnerstag Panik ausgelöst. Der durch die Entscheidung der Schweizer Nationalbank ausgelöste Höhenflug des Franken kommt rund 700.000 Haushalte in Polen teuer zu stehen, die Immobilienkredite abbezahlen müssen, die in Franken abgeschlossen wurden. Kreditausfälle drohen. Die Raiffeisen Bank International hat in Polen 2,9 Milliarden Euro an Franken-Krediten vergeben. Ein großes Problem mit Fremdwährungskrediten haben österreichische Großbanken aber auch in Ungarn.

"Die Entscheidung (der Schweizer Notenbank, Anm.) ist eine extrem schlechte Nachricht für Fremdwährungskreditnehmer in Zentraleuropa", sagt BNP-Paribas-Ökonom Michal Dybula. "Sie macht die Rückzahlung von Franken-Krediten teurer, verringert das zur Verfügung stehende Einkommen und bremst den Konsum." Das seien "schlechte Nachrichten für das Wachstum und den Bankensektor, weil sich der Anteil der faulen Franken-Kredite wahrscheinlich erhöht".