Zürich. (apa/sda) Die Aufhebung des Franken-Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank (SNB) ist auch für den Chefökonomen der Schweizer Großbank UBS eine große Überraschung. "Das haben wir so nicht erwartet. Ich stehe unter Schock. Das ist starke Medizin", sagte Daniel Kalt am Donnerstag in einer ersten Reaktion.

Europa habe die Hausaufgaben aus der Schuldenkrise nicht gemacht, sagte Kalt kurz nach der Ankündigung durch die Schweizer Nationalbank (SNB) im Gespräch mit der Schweizerischen Depeschenagentur (sda): Insofern hätte die SNB die Mindestkurspolitik viel länger durchziehen und ihre Bilanz viel weiter aufblähen müssen, als sie ursprünglich gedacht habe. "Darum hat sich die SNB gesagt: lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende." Der Franken hat zuletzt gegenüber dem Dollar Schwäche gezeigt, somit kam man in Zürich offenbar zu dem Schluss, dass man den Schritt wagen kann. Die Schweizer Exportwirtschaft habe in den letzten Jahren gezeigt, dass sie sich hervorragend an einen stärkeren Franken anpassen kann. Sie habe an ihren Strukturen und an ihrer Effizienz gearbeitet. "Die Schweizer Wirtschaft ist gut aufgestellt. Wir haben eine starke Binnenkonjunktur", sagte Kalt. Für Exporteure, die schwergewichtig im Euroraum sind, wird die Aufhebung der Mindestgrenze allerdings das Geschäft schwerer machen. "Man kann erwarten, dass man Bremsspuren in der Schweizer Wirtschaft sehen wird", sagte Kalt. UBS-Investmentchef Mark Haefele bezifferte die Kosten auf die Exportwirtschaft auf rund 5 Milliarden Franken (rund 4 Milliarden Euro). Damit würde das Bruttoinlandprodukt (BIP) um 0,7 Prozentpunkte nach unten gezogen.

Für Österreich ist es "natürlich super" - so kommentiert Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer die Aufwertung des Schweizer Franken. Die Schweiz sei nach Deutschland und Italien der drittwichtigste Handelspartner, und "Österreich wird da sicher stark profitieren", sagte Bruckbauer am Donnerstag zur APA. Nicht zuletzt auch im Tourismus, wo das Ferienland Österreich gegenüber der Schweiz an Boden gewinnen könnte: Tatsächlich sehen die Schweizer Hotel- bzw. Gastgewerbeverbände Hotelleriesuisse und Gastrosuisse ihre Branche durch die Aufgabe des Euro-Franken-Mindestkurses in großer Gefahr. Das Ferienland Schweiz wird teurer und die Wettbewerbsfähigkeit der Hotels und Restaurants geht zurück.

Mit dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) schwäche sich die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Ausland ab, teilten Hotelleriesuisse und Gastrosuisse in einer ersten Reaktion mit. Die Gastrosuisse verlangt griffige Maßnahmen gegen die "Hochpreisinsel" Schweiz.

Die SNB hat den Aktienmarkt in Zürich laut Finanzinformationsdienst Bloomberg den stärksten Kurssturz seit 25 Jahren beschert. Nach Bekanntgabe des Entscheids der SNB zur Aufhebung des Mindestkurses ging es nicht nur an den Devisen- sondern auch an den Aktienmärkten drunter und drüber.