Davos 2015 : Das Motto des Treffens lautet heuer: "Der neue globale Kontext". - © apa/epa
Davos 2015 : Das Motto des Treffens lautet heuer: "Der neue globale Kontext". - © apa/epa

Davos. (afp) Islamistische Anschläge in Paris, Kampf gegen Dschihadisten im Irak und Syrien, Krise in der Ukraine: Für die mehr als 2500 Teilnehmer des diesjährigen Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos, das am morgigen Mittwoch beginnt, gibt es reichlich brisanten Gesprächsstoff. Mehr als 300 Spitzenpolitiker werden erwartet, aus Österreich kommt Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner.

Unter dem Konferenzmotto "Der neue globale Kontext" werden bis Samstag aber auch wirtschaftliche Fragen debattiert - angeheizt von der erwarteten Richtungsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB). "Terrorismus und Geopolitik werden wahrscheinlich ihre Schatten über das diesjährige Forum werfen", so der Wirtschaftschef der Unternehmensberatung IHS, Nahriman Behravesh. "Beide Komplexe gefährden die Stabilität in Europa, im Mittleren Osten und in Afrika", ergänzte der Davos-Veteran.

Europäische Spitzenpolitiker wie Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident François Hollande und der belgische Ministerpräsident Charles Michel könnten sich in dem verschneiten Skiort über die Gefahr durch gewaltbereite Islamisten austauschen. Der irakische Regierungschef Haider al-Abadi und Kurdenpräsident Massud Barsani dürften über den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) berichten.

Gespräche mit dem iranischen Außenminister Mohammad Jawad Zarif werden vermutlich vor allem um die Atomverhandlungen mit seinem Land kreisen. Und für den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko geht es ebenso um die Kämpfe im Osten seines Landes wie für den russischen Außenminister Sergej Lawrow.

Die Führer von heute seien konfrontiert mit Problemen von einer noch nie dagewesenen Komplexität, Geschwindigkeit und Vernetzung, hatte Anfang Jänner der Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, analysiert. Die Welt stehe an einer Weggabelung - der eine Weg führe zu Zerfall, Hass und Fundamentalismus, der andere zur Solidarität.

Österreichische Eurofighter stehen bereit


Der Gesprächsbedarf scheint höher denn je - das Forum erwartet erstmals mehr als 2500 Teilnehmer. Neben den Spitzenpolitikern werden rund 1500 Konzernlenker erwartet, Vertreter internationaler Organisationen sowie der akademischen Welt, der Zivilgesellschaft und der Medien. Allein 14 Teilnehmer sind Nobelpreisträger. Dementsprechend umfassend sind die Sicherheitsvorkehrungen in Davos. Rund 3000 Soldaten und eine geheim gehaltene Zahl von Polizisten sind für die 45. Ausgabe der Konferenz im Einsatz. Zu Sicherung des Luftraums werden auch Eurofighter des österreichischen Bundesheers bereitgestellt.

Für Gesprächsstoff könnte am Donnerstag der EZB-Rat sorgen: Es wird erwartet, dass er über das umstrittene Ankaufprogramm für Staatsanleihen entscheidet, mit dem die Inflation angetrieben werden soll. Die Entscheidung dürfte Auswirkungen nicht nur für die Eurozone, sondern auf die Weltwirtschaft insgesamt haben. Für Fachdiskussionen stehen in Davos unter anderem die Chefs der Notenbanken von Japan, Brasilien und Großbritannien zur Verfügung. Auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, reist an. Aus der Privatwirtschaft sind in Davos unter anderem der Gründer des chinesischen Onlinehändlers Alibaba, Jack Ma, General-Motors-Chefin Mary Barra und Yahoo-Chefin Marissa Mayer dabei.

Allen Krisen und Konflikten zum Trotz ist das Weltwirtschaftsforum auch für seine ausschweifenden Cocktailpartys und die Anwesenheit illustrer Prominenz bekannt. Aus royalen Kreisen werden Fürst Albert II. von Monaco und der britische Prinz Andrew erwartet. Für ein wenig Zerstreuung zwischen tiefschürfenden Debatten sorgen unter anderem die US-Musiker uns Hitparadenstürmer Will.i.am und Pharrell Williams.