Es sei jetzt Aufgabe der Eurogruppe, "in aller notwendigen Gelassenheit diese Dinge zu besprechen", erklärte Schelling. Das Problem liege dabei nicht bei der Eurogruppe, sondern bei Griechenland. Wenn neue Hilfsprogramme gestartet werden, müsste dies auch Athen beantragen. Es wäre aber völlig falsch, wenn Europa jetzt keine Gesprächsbereitschaft zeigte. Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble pochte am Montag einmal mehr auf Vertragstreue. "Niemand drängt Griechenland irgendetwas auf, aber die Verpflichtungen gelten", sagte der CDU-Politiker. Es habe derzeit keinen Sinn, über einen Schuldenschnitt zu reden. "Wir haben es in den letzten Jahren immer in der besten Absicht gemacht, Griechenland zu helfen", sagte er.

Die Staatsschulden in Griechenland werden im laufenden Jahr knapp 169 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen, erlaubt sind höchstens 60 Prozent, so die EU-Kommission. 2012 hatten Privatgläubiger wie Banken bereits einen Schuldenschnitt von 50 Prozent hinnehmen müssen.

Dijsselbloem kündigte an, es solle mit Athen bald über eine weitere Verlängerung des Ende Februar auslaufenden Rettungsprogramms gesprochen werden. Ohne Programm dürfte Griechenland ab 1. März schon bald Finanzierungsschwierigkeiten haben, warnen Experten. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker sagte: "Wir werden im Detail studieren, wie die Wunschliste der griechischen Regierung aussieht." Einen Schuldenschnitt schloss er Montagabend im ARD-Interview vorerst aus. Dies sei derzeit "nicht auf dem Radarschirm" der Kommission.

Finanzmärkte von Wahlergebnis unbeeindruckt

Der Wahlausgang in Athen ist am Markt mehr oder weniger erwartet worden. Der Euro ist nur kurz unter den Kurs von Freitag gerutscht. Unter den Anlegern war keine Unruhe zu bemerken. "Der Sieg des Linksbündnisses Syriza wird den Reform- und Konsolidierungsprozess in Griechenland erschweren, aber nicht stoppen können", sagte Expertin Stephanie Lindeck vom Bankhaus Julius Bär. Ein Austritt der Griechen aus der Eurozone sei wegen der immensen wirtschaftlichen Kosten unwahrscheinlich.