US-Konzerne generieren 35 Prozent ihrer Gewinne im Ausland. Zucmans Untersuchungen zeigen, dass 50 Prozent dieser Gewinne in steuerschonende Länder wie Luxemburg, Singapur oder der Schweiz deklariert wurden. Das geschieht oft mithilfe von internationalen Steuerberatungskanzleien, die gezielt nach Lücken in den unterschiedlichen nationalen Steuersystemen suchen.

Auch wenn diese Praktiken aus moralischer Sicht fragwürdig erscheinen, illegal sind sie keinesfalls. "Der beste Weg, dieses Verhalten zu ändern, ist, die nationalen Steuergesetze zu ändern", sagt Zucman. In Österreich werden beispielsweise seit 2014 keine Lizenzzahlungen von internationalen Unternehmen akzeptiert, die in Staaten mit einer Gewinnsteuer von unter zehn Prozent fließen. Die Abschaffung des Bankgeheimnisses und der automatische Informationsaustausch in der EU seien ein wichtiger Schritt in Richtung Transparenz, aber noch nicht genug. "Man kann nicht darauf vertrauen, dass Banken einfach so Informationen über ihre Kunden einschicken. Sie haben jahrzehntelang ihren Kunden geholfen, Geld zu verstecken und haben dabei sehr gut verdient", sagt er.

Internationales Finanzregister


Deshalb sollte es empfindliche Strafen bei Nicht-Kooperation geben; ähnlich wie in den USA, die Schweizer Banken mit Strafzahlungen belegt haben, als sich diese weigerten, steuerrelevante Kundendaten herauszugeben. Zucman prangert auch Staaten an, die mit extremen Steuererleichterungen und Deals, wie etwa Luxemburg, andere Staaten auf diese Weise um ihre Steuern bringen. Deshalb fordert er Sanktionen und Embargos für Länder, die sich weigern, in Steuerfragen zu kooperieren.

Die Transparenz über vorhandenes Vermögen müsse erhöht werden. Deshalb plädiert Zucman für ein internationales Register für Finanzvermögen. "In jedem Land gibt es eine Institution, die darüber Buch führt, wem welche elektronischen Wertpapiere gehören", sagt er. In einem ersten Schritt könne man das auf EU-Ebene rasch umsetzen. Das Register könne man auch bei den Verhandlungen zum Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten thematisieren. Genau wie Piketty fordert auch er Vermögenssteuern, die mithilfe einer solchen Datenbank leichter eingehoben würden.

Zucman spricht sich dafür aus, Gewinne dort zu besteuern, wo sie auch generiert wurden. "Man kann Kapital oder Firmensitze verschieben, aber nicht Kunden." Er fordert deshalb eine globale Steuer, die sich an den Profit und nicht an den Firmensitz orientiert. Diese wird dann, je nachdem wie viel ein Konzern in welchem Land verdient hat, eingehoben.

Österreich, das sich gemeinsam mit Luxemburg bis zuletzt gegen die Aufhebung des Bankgeheimnisses gewehrt hat, hält Zucman übrigens für keine Steueroase. Laut Nationalbank hätten Ausländer etwa 30 Milliarden Euro auf österreichischen Bankkonten geparkt. "Das ist ein Zehntel des Offshore-Vermögens Luxemburgs. Ich verstehe nicht, warum Österreich Luxemburg hier so lange unterstützt hat", sagt er.