Istanbul. Der Gipfel war noch nicht zu Ende, da lag das Kommunique schon auf dem Tisch. Das Papier sieht vor, dass die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer noch entschiedener gegen eine Wirtschaftsflaute vorgehen. Dafür werde man die Geld- und Haushaltspolitik überprüfen und gegebenenfalls anpassen, heißt es in einem Entwurf für das Finanzministertreffen in Istanbul.

Die Experten loben zwar das Wachstum in einzelnen Ländern, insgesamt zeichnen sie von der Weltwirtschaft ein düsteres Bild. Besonders in der Euro-Zone und in Japan verlangsamt sich das Wachstum.

Lob für das europäische Anleihenkaufprogramm
In dem Papier, das am Dienstag verabschiedet werden soll, wird auch das geplante Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank gelobt, obwohl es in Deutschland große Bedenken gegen das sogenannte Quantitative Easing gibt. Das Programm werde die Erholung in der Euro-Zone fördern, hieß es. Mit Blick auf die erwartete Zinswende in den USA wird in dem Papier gemahnt, vorsichtig vorzugehen und alle Schritte anzukündigen.

Am Montag hatte bereits die Industriestaaten-Organisation OECD vor einer anhaltenden Stagnation gewarnt. Nur mit ehrgeizigen Reformen ließe sich die Konjunktur ankurbeln und die wachsende soziale Ungleichheit in vielen Ländern bekämpfen, erklärte OECD-Generalsekretär Angel Gurria.

Ratlosigkeit beim Thema Griechenland
In Istanbul will die Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) vor allem über mehr Wachstum und Investitionen, den Kampf gegen steuerflüchtige Großkonzerne und die Regulierung der Finanzmärkte diskutieren. Und es wird vor allem ein weiteres wichtiges Gesprächsthema geben: wie es mit dem schuldengeplagten Griechenland weitergehen soll.

Schon jetzt sind viele Gesprächszirkel dem Thema gewidmet. "Weil wir nun schon hier sind, reden wir natürlich miteinander, auch in kleinen Gruppen, in bilateralen", erläutert der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. "Aber es ist so furchtbar viel Neues nicht", räumt er ein. Die Griechen wollen zunächst einmal Geld für eine Übergangszeit haben. "Wenn sie das mit uns wollen, brauchen sie ein Programm".

Athen aber - die neue Regierung unter ihrem Chef Alexis Tsipras - will aber ein bestimmtes Programm nicht mehr. Von drei Dingen will das Krisen-Land laut Gipfel-Insidern künftig nichts mehr hören: von einem (Hilfs-)Programm, von dem knochenharten Kontrollorgan Troika und von einem Memorandum, einer erzwungenen Vereinbarung mit Auflagen. Vielmehr schickt die neue Regierung eine Schockwelle nach der anderen durch die Regierungsstuben der Hauptstädte des Euro-Raumes.

Griechisches Konzept folgt am Mittwoch
Schäuble sieht wenig Spielraum: "Ich weiß nicht, wie Griechenland das stemmen will". Am Mittwoch in der Euro-Gruppe, so die verbreitete Hoffnung, weiß man zumindest ein wenig mehr. Dann sollte sein griechische Kollege, Finanzminister Yanis Varoufakis,  zumindest ein paar Seiten Konzept vorlegen.