Yellen: Markt erhält rechtzeitig einen Fingerzeig. - © reu/Lamarque
Yellen: Markt erhält rechtzeitig einen Fingerzeig. - © reu/Lamarque

Washington. Auf die Frage, wann die USA ihre Leitzinsen erhöhen, ist Notenbankchefin Janet Yellen erneut eine konkrete Antwort schuldig geblieben. Nach einem raschen Ende der 2008 eingeleiteten Niedrigzins-Politik sieht es jedenfalls nicht aus - was die internationalen Finanzmärkte, allen voran den DAX, beflügelte. Zugleich warnte Yellen, die seit Jänner 2014 im Amt ist, vor Risiken für die Weltwirtschaft; Sorgenkinder seien China und Europa. Überraschend trübte sich auch das Verbrauchervertrauen in den USA ein.

Eine Erhöhung der Zinsen stehe nicht unmittelbar bevor, betonte die Fed-Chefin am Dienstag (Ortszeit) bei ihrer halbjährlichen Anhörung vor dem Kongress. Auch lasse sich die Federal Reserve nicht auf einen einzelnen Faktor als Auslöser für die Zinswende festlegen. Die US-Notenbank werde von "Treffen zu Treffen" über diese Frage entscheiden. Anleger werteten dies als Zeichen, dass die bislang für Juni erwartete Zinserhöhung später kommen könnte.

Die Fed hatte im Januar betont, die Abkehr von dem geldpolitischen Krisenmodus "geduldig" angehen zu wollen und eine Erhöhung im März de facto ausgeschlossen. Wenn die Wende näher rückt, sollen die Märkte jedoch einen Fingerzeig bekommen: Dann wird zunächst das Signalwort "geduldig" gestrichen, kündigte Yellen an. Falls sich die US-Wirtschaft weiter gut entwickle, werde die Fed dann in einen Modus wechseln, in dem eine Erhöhung jederzeit möglich sei. Dies bedeute aber nicht, dass die Fed nach dem Wegfall des Signalworts schon in einer der beiden nachfolgenden Sitzungen handeln werde.

Die Voraussetzungen für eine Zinserhöhung sieht Yellen trotz vielversprechender Indikatoren beim Wachstum und auf dem Jobmarkt noch nicht für gegeben. Der US-Arbeitsmarkt brummt nach langen Krisenjahren mittlerweile wieder. Innerhalb eines Jahres sind Monat für Monat jeweils mehr als 200.000 Arbeitsplätze entstanden. Eine solche Boomphase hat es seit 1994 nicht mehr gegeben. "Wir kommen dem Ziel der Vollbeschäftigung näher", erklärte Yellen. "Doch trotz dieser Verbesserungen sind noch immer zu viele Amerikaner arbeitslos oder unterbeschäftigt, das Wachstum der Löhne ist träge, und die Inflation bleibt deutlich unter unseren langfristigen Zielsetzungen." Als Zielsetzung gelten zwei Prozent Inflation, im Dezember stiegen die Preise aber nur um 0,8 Prozent.

Auch die Stimmung der US-Verbraucher ging im Februar überraschend deutlich zurück. Der Index für das Verbrauchervertrauen sank um 7,4 Punkte auf 96,4 Punkte, teilte das private Forschungsinstitut Conference Board mit.

Yellen unterstrich in ihrer Rede darüber hinaus die möglichen Auswirkungen von Risiken in der Weltwirtschaft für die USA. Ausdrücklich nannte sie Europa und China. Die Erholung in der Eurozone verlaufe zu langsam, die Inflation falle auf ein extrem niedriges Niveau. In China drohe das Wachstum unter bisherige Erwartungen zu fallen.

Flucht in Aktien


Die Aussicht auf eine spätere Zinserhöhung hat derweil den Aktienmärkten in Fernost Auftrieb verliehen. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans lag gestern knapp 0,8 Prozent im Plus. Der Nikkei sackte dagegen um 0,1 Prozent ab. Auch der DAX erreichte ein Rekordhoch.