Frankfurt. (rs) Dass sich das größte deutsche Geldhaus nach der monatelangen Strategiedebatte für die sogenannte "kleine Lösung" entschieden hat, ist schon seit der Nacht auf Samstag klar. Jene Investoren, die wissen wollten, was die Doppelspitze der Deutschen Bank jenseits des Verkaufs der Postbank noch so plant, mussten sich allerdings noch zwei Tage gedulden. Erst am Montag erklärten Anshu Jain und Jürgen Fitschen im Rahmen einer Pressekonferenz, wie die Zukunft der Deutschen Bank aussehen soll.

Feststeht, dass sich das traditionsreiche Institut angesichts der chronischen Renditenschwäche und des massiven Spardrucks eine Rosskur verordnet. Von den 700 Filialen in Deutschland sollen bis 2017 lediglich 500 übrig bleiben, weil immer mehr Kunden ihre Bankgeschäfte nur noch im Internet erledigen. Die Bank will sich zudem aus bis zu zehn Ländern ganz oder zum Teil zurückziehen und sich in Europa auf nur noch fünf Staaten konzentrieren - zusätzlich zum Heimatmarkt Deutschland. Dass dadurch Jobs wegfallen werden, steht außer Zweifel, wie viele es sein sollen, wollten Jain und Fitschen allerdings nicht sagen. Deutschen Medienberichten zufolge könnten jedenfalls bis zu 7000 Stellen zur Disposition stehen. Auch die Investmentbank, die bisher dominierende Sparte, soll verkleinert werden. Durch den Ausstieg aus dem Rohstoffhandel und einem Teil des riskanten Derivate-Geschäfts soll die Bilanzsumme von derzeit 900 auf 700 Milliarden Euro verkürzt werden. Bei der Postbank streben Jain und Fitschen einen Börsengang bis Ende 2016 an, der Anteil der Deutschen Bank soll dann mindestens unter 50 Prozent sinken. Langfristiges Ziel ist aber der völlige Ausstieg.

Die Entscheidung über die neue Strategie war mit Spannung erwartet worden. Das Institut ächzt unter immer höheren Regulierungskosten, die im Branchenvergleich mageren Gewinne reichen den Investoren nicht mehr. Doch auch die nun beschlossene "Strategie 2020" ist nicht unbedingt billig. Bevor sich die anvisierten jährlichen Einsparungen von 3,5 Milliarden Euro realisieren lassen, müssen Jain und Fitschen zunächst einmal 3,7 Milliarden Euro in den Konzernumbau stecken.

Bei Börsianern und Investoren kam das Konzept nicht gut an: Am Montag übernahm die Aktie mit einem Minus von zeitweise mehr als fünf Prozent die rote Laterne im DAX. Viele Marktteilnehmer hätten dem Vernehmen nach das radikalere Modell, das ebenfalls diskutiert wurde, bevorzugt. Dabei hätte es eine komplette Trennung von Investmentbank und Privatkundengeschäft gegeben. Ein Fondsmanager kritisierte, die Bank werde seit Jahren umgebaut, der große Wurf aber fehle. "Man hätte viel mutigere Schritte viel früher unternehmen können." Wenn der neue Anlauf auch nicht klappe, müssten die Vorstandschefs gehen. Darüber wollen Jain und Fitschen derzeit aber nicht einmal nachdenken. Sie betonen, nun müsse einmal die neue Strategie mit aller Kraft umgesetzt werden.