Berlin. Im Skandal um manipulierte Zinsen hat am Dienstag in London der mit Spannung erwartete Prozess gegen einen mutmaßlichen Drahtzieher begonnen. Der Ex-Händler Tom Hayes, der für UBS und Citigroup arbeitete, steht im Verdacht, eine zentrale Figur bei den weltumspannenden Tricksereien rund um den Referenzzinssatz Libor gewesen zu sein.

Die britische Strafverfolgungsbehörde SFO wirft ihm in acht Fällen Verschwörung zum Betrug in den Jahren 2006 bis 2010 vor. Damit drohen Hayes zehn Jahre Gefängnis. Der 35-Jährige plädiert auf nicht schuldig. Der Prozess dürfte etwa zwölf Wochen dauern.

Staatsanwalt Mukul Chawla erklärte zum Auftakt, Hayes habe in den schon einige Zeit zurückliegenden 82-stündigen Vernehmungen selbst eingeräumt, seine persönlichen Gewinne über alles andere gestellt zu haben: "In seinen eigenen Worten: Er war gierig." Die von ihm maßgeblich mitbetriebenen Zinstricksereien hätten "fast täglich" stattgefunden. Die Stellungnahme der Verteidigung vor Gericht stand noch aus.

Mit dem Verfahren erreicht die Aufarbeitung des Zinsskandals eine neue Dimension: Erstmals steht eine Einzelperson vor einem Geschworenengericht und könnte von diesem verurteilt werden. In den vergangenen sieben Jahren haben sich die Regulierer zunächst die Banken vorgeknöpft. Dabei gingen sie unter anderem der Frage nach, ob die internen Kontrollen ausreichten, um Tricksereien zu vermeiden. Denn einzelne Händler schraubten nachweislich am Libor, um Handelsgewinne einzustreichen. An solchen Zinssätzen hängen weltweit Geschäfte in einem Volumen von vielen hundert Billionen Dollar. Etliche Großbanken wurden zu hohen Strafen verurteilt - zuletzt etwa die Deutsche Bank. Allein in Großbritannien und den USA sollen 21 Banker vor Gericht.