Hätte die globale Finanzkrise nicht mit der Ungleichheit aufräumen müssen, nachdem viel Vermögen zerstört wurde?

Zuerst haben wie bei allen Finanzkrisen vor allem die Reichen verloren, weil ihre finanziellen Werte zerstört wurden. Da ist die Ungleichheit auch gesunken. Aber dann schwappte die Krise in die Mittelschicht über, Menschen verloren ihre Arbeit. Es kam zu einem Anstieg der Armut und zu einem Anstieg in der Ungleichheit: Nach drei Jahren haben sich die Reichen erholt, aber die Mittelschicht nicht. Man muss im Auge behalten, dass dieses Interesse an Gleichheit und Ungleichheit erst entstanden ist, weil auf einmal Durchschnittsverdiener betroffen waren. Die Mittelschicht hat während der Krise verloren. Und wenn jeder jemanden kennt, der seinen Job verloren hat, und dann sieht, dass einige Topverdiener weniger oder gar nichts verloren haben, dann ist man sich der Ungleichheit auf einmal sehr deutlich bewusst. Also glaube ich, dass das Interesse an Ungleichheit an der Stagnation der realen Löhne liegt.

Hilft das viel zitierte Wundermittel Wirtschaftswachstum?

Es würde die Wahrnehmung verändern. Es würde die Ungleichheit zwar nicht notwendigerweise verkleinern. Aber es würde die Blicke auf besser gestellte Nachbarn verringern.