Rom/Frankfurt am Main. Das klare Nein der Griechen zu den Sparvorgaben der Gläubiger dürfte den europäischen Aktienmärkten am Montag hohe Verluste einbrocken. Diese könnten vom Rücktritt des griechischen Finanzministers Gianis Varoufakis lediglich abgemildert werden, hieß es am Morgen aus dem Handel.

Das "Nein" der Griechen zu den Reform-Vorschlägen der Hellas-Gläubiger hat die europäischen Börsen am Montag in den Keller geschickt. Dax und EuroStoxx50 verloren jeweils rund zwei Prozent auf 10.854 und 3371 Punkte. Der Euro verlor rund einen halben US-Cent auf 1,1054 Dollar.

Das griechische "Oxi" (Nein) brachte bereits einige asiatische Börsen in die Bredouille. So schloss der japanische Nikkei-Index mehr als 2 Prozent tiefer. Auch der Kurs des Euro gab nach, die Abschläge hielten sich dabei aber in Grenzen. Zuletzt stand die Gemeinschaftswährung bei 1,1052 US-Dollar und damit nur rund einen halben Cent niedriger als am Freitag.

Varoufakis-Rücktritt könnte Kursverluste etwas abmildern

Varoufakis hatte seinen Rücktritt überraschend am Montagmorgen angekündigt. Experte Frank Schneider von Alpha Wertpapierhandel sagte: "Das vereinfacht Verhandlungen - die Frage bleibt aber, ob es überhaupt welche geben wird und wie diese aussehen."

Entscheidend ist jetzt das weitere Vorgehen der Gläubigerstaaten nach dem Nein der Griechen zu ihren Sparvorgaben. Viele Marktteilnehmer hoffen dabei auf ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone - dem sogenannten Grexit. Die US-Bank JPMorgan sieht dieses nun als Basisszenario für ihre Analysen an.

Wie das Magazin "Stern" aus Kreisen der Europäischen Zentralbank EZB und der Euro-Finanzminister berichtete, könnte die Eurogruppe schon in dieser Woche beschließen, Verhandlungen über einen Vertrag über den Austritt Griechenlands aus dem Euro aufzunehmen. Griechenland müsse aber zustimmen. Händler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner fürchtet indes eine weitere uneindeutige Entscheidung: "Da kommt noch eine 'faule Nummer' auf uns zu."

Die Aktien der Deutschen Post dürften nach der beendeten Tarifauseinandersetzung besser als der Gesamtmarkt tendieren. Beim Broker Lang & Schwarz (L&S) notierten die Titel vorbörslich 0,23 Prozent leichter. Nach vier Wochen Dauerstreik und einer dreitägigen Marathon-Tarifrunde einigten sich das Unternehmen und die Gewerkschaft Verdi am Sonntagabend auf einen Tarifabschluss. Die Post verpflichtete sich darin, ihre aktuell beschäftigten Paketzusteller im Mutterkonzern zu halten.

Die bevorstehende Umstrukturierung von RWE hat die Aktien der Essener bei Lang & Schwarz (L&S) um lediglich 0,40 Prozent sinken lassen. Die massiv gefallenen Gewinne aus der Stromerzeugung zwingen Deutschlands zweitgrößten Energieversorger zu einem weitreichenden internen Umbau. Der Aufsichtsrat habe schon vor längerer Zeit den Vorstand mit einem entsprechenden Konzept beauftragt, sagte eine Konzernsprecherin am Wochenende auf Anfrage. Ein Abbau von Personal stehe dabei jedoch nicht im Fokus, betonte RWE - es gehe in erster Linie um einfachere Strukturen. Die "Rheinische Post" (Samstag) hatte berichtet, bei RWE sollten Töchter zusammengelegt oder mit dem Mutterkonzern verschmolzen werden.

Bankenaktien vor allem in Italien stark unter Druck

Die Mailänder Börse hat am Montagvormittag mit schweren Kursverlusten auf das Ergebnis des griechischen Referendums reagiert. Zur Eröffnung meldete die Borsa Italiana einen Rückgang von fast drei Prozent. Vor allem Bankenaktien gerieten unter Druck.

Die Bank Austria-Mutter UniCredit meldete Kurseinbrüche von 3,9 Prozent, der Mitbewerber Intesa Sanpaolo von 3,5 Prozent. Die Krisenbank Monte Paschi di Siena verzeichnete einen Rückgang von fünf Prozent und wurde vorübergehend vom Handel ausgesetzt.