Frankfurt/Brüssel/Peking. Guo Guangchang hat ambitionierte Pläne. Der chinesische Investor strebt nach Größe. "Chinesischer Warren Buffett" wird er genannt - nach seinem Vorbild, der US-Investorenlegende. "Buffett hat damals eine starke Plattform gebaut, langfristig investiert und vom Wachstum der amerikanischen Wirtschaft profitiert", sagte Guo im Juni der deutschen Tageszeitung "Die Welt". Der Gründer und Chef der chinesischen Beteiligungsgesellschaft Fosun will den Erfolg des US-Investors wiederholen. Er will vom Wachstum der chinesischen Wirtschaft profitieren. Guo und sein Fonds stehen im Ruf, eine riskante Expansionsstrategie zu verfolgen.

Dazu gehören auch Einkäufe auf dem deutschen Bankenmarkt. Im Juli hatte Fosun, der größte Aktionär bei der 160 Jahre alten, traditionsreichen Frankfurter BHF-Bank, der Mutter BHF Kleinwort Benson überraschend ein Übernahmeangebot gemacht. Aus der 19-Prozent-Beteiligung des chinesischen Fonds sollten mindestens 51 Prozent werden.

Locken will Guo die deutschen Aktionäre mit dem Zugang zu neuen, zahlungskräftigen Kunden in China. Erst vor kurzem hatte sich Fuson mehr als 80 Prozent an der Frankfurter Traditionsbank Hauck & Aufhäuser gesichert, der er zu einer größeren Präsenz in Europa verhelfen will. Die Kriegskasse von Guo ist prall gefüllt: Sein Privatvermögen schätzt das amerikanische Magazin "Forbes" auf 4,3 Milliarden US-Dollar. Dennoch könnte die Übernahme von BHF Kleinwort Benson, wenn sie gelingt, für die Chinesen teuer werden. Denn die BHF-Bank hat viele betuchte Kunden und Anteilseigner, unter anderem BMW-Großaktionär Stefan Quandt. Der siebentreichste Mann Deutschlands stemmt sich ebenso wie der französische Bankier Philippe Oddo, Chef des Pariser Bankhauses Oddo & Cie., gegen die Übernahme.

Nervenkrieg

Quandt und Oddo gingen bisher auf Fosuns Angebot nicht ein. Oddo kaufte sogar BHF-Aktien hinzu und hält jetzt mindestens 15 Prozent der Anteilsscheine. Mit seinen Zukäufen hat Oddo die BHF-Aktie an der Börse weit über den von Fosun gebotenen Preis von 5,10 Euro getrieben. Damit kündigt sich ein Nervenkrieg an: Oddo hat noch kein Gegenangebot für das Offert der Chinesen von 675 Millionen Euro vorgelegt. Spekuliert wird, dass das Bankhaus noch 15 Prozent drauflegen könnte. Allerdings könnte Fosun auch diesen Preis locker überbieten - oder anderwertig Geld lukrieren: Man hätte bei einer hohen Gegenofferte auch die Gelegenheit, die BHF-Aktien mit Gewinn zu verkaufen - was vor allem dann eine Option wäre, wenn die deutsche Bankenaufsicht die Chinesen nicht als Alleineigner akzeptiert.

Guo will vor allem die Mehrheit an der Muttergesellschaft der BHF-Bank. Dies auch, um deren Chef Leonhard "Lenny" Fischer entlassen zu können. Fischer hatte die BHF-Bank erst 2014 zusammen mit den anderen Aktionären von der Deutschen Bank gekauft. Im Juni hatte er BHS-Vorstandssprecher Björn Robens vor die Tür gesetzt. Guo, der große Stücke auf Robens hält, will von dem Schritt erst zwölf Stunden vorher informiert worden sein.