Washington. Die US-Notenbank Fed schiebt die erste Zinserhöhung seit fast zehn Jahren weiter auf. Der Schlüsselsatz für die Versorgung der Finanzbranche mit Geld bleibt in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent, wie die Fed am Donnerstagabend mitteilte.

Janet Yellen, immer wieder als eine der mächtigsten Frauen der Welt betitelt, stand am Donnerstag vor ihrem schwierigsten Termin, seit sie im Februar 2014 das Amt als US-Notenbank-Chefin angetreten hat. Auf der Pressekonferenz nach der Sitzung im Offenmarktausschuss musste Yellen am Donnerstagabend bekanntgeben, ob die Federal Rerserve erstmals seit 2006 wieder die Leitzinsen anhebt. Der Entscheidung der global wichtigsten Notenbank hatten die Finanzmärkte seit Monaten entgegengefiebert, denn das ultrabillige Zentralbankgeld ist seit Ausbruch der Finanzkrise der zentrale Treibstoff des globalen Börsengeschehens. Und selten waren Ökonomen so gespalten, ob die Beendigung der faktischen Nullzinspolitik der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt ist. Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Was ist der Leitzins der US-Zentralbank?

Der Leitzins ist der Satz, zu dem sich US-Banken untereinander Geld leihen, um ihre Reserven bei der Zentralbank auf der gesetzlich vorgeschriebenen Höhe zu halten und den sogenannten Mindestreservesatz einzuhalten. Dabei verleihen Banken, die gerade einen Reserveüberschuss bei der Fed haben, Geld an Banken, die für die Kreditvergabe auf ihre Reserven bei der Fed zurückgreifen mussten. Dabei wird häufig von Übernachtkrediten gesprochen.

Warum wird der Leitzins geändert?

Leitzinsänderungen wirken sich auf die Wirtschaft aus, sie beeinflussen die Zinssätze für kurzfristige und langfristige Anleihen, den Wechselkurs des Dollar und eine Menge anderer Faktoren, darunter die Beschäftigung und Verbraucherpreise. Für die Zentralbank ist der Leitzins ein Instrument, um die Entwicklung von Konjunktur und Preisen in einer Volkswirtschaft zu beeinflussen. Liegt die Wirtschaft am Boden, können die Zentralbanker über niedrige Zinssätze und damit billiges Geld das Wachstum anschieben. Niedrige Zinsen treiben Unternehmen zu mehr Investitionen und Verbraucher zu mehr Käufen. Wenn die Konjunktur heiß läuft, können sie einer drohenden Inflation mit höheren Zinssätzen entgegenwirken. Als die Inflation in den USA während der zweiten Ölkrise 1979 bis 1980 in die Höhe schnellte und zweistellig wurde, erhöhte die Fed den Leitzins zeitweise sogar auf 20 Prozent, um die Wirtschaft zu beruhigen. Daraufhin fiel das Land allerdings für zwei Jahre in eine Rezession. Als sich das Wirtschaftswachstum nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 deutlich verlangsamte, senkte die Fed den Leitzins stetig, um die Konjunktur wieder anzuheizen. Doch durch das billige Geld wurde die Immobilienblase aufgepumpt, deren Platzen 2008 wiederum die Finanzkrise auslöste.