New York/Wien. (vee/sei) Es ist keine zehn Jahre her, da hatten in den internationalen Börsenrankings Firmen die Nase vorne, die weltweit möglichst viele Rohstoffe, Maschinen oder Fahrzeuge verkauften. Je billiger produziert werden konnte, desto besser. Heute ist das Schnee von gestern. Die Börsenrankings haben Technologie-Unternehmen übernommen. Google, Apple oder Microsoft sind nun die Tonangeber in der Weltwirtschaft. Alleine die drei genannten Konzerne sind 1,6 Billionen Dollar wert - und damit fast halb so viel, wie Deutschland jährlich erwirtschaftet. Nimmt man noch den Social-Media-Dienst Facebook dazu, dann erwirtschaften diese vier Firmen dreimal so viel Umsatz und zehnmal so viel Gewinn wie alle 20 im österreichischen Leitindex ATX (Austrian Traded Index) enthaltenen Konzerne zusammen.

Der Beschäftigungsstand beträgt dabei aber nur einen Bruchteil von dem traditioneller Industriebetriebe. Beim Social-Media-Dienst Facebook zum Beispiel erwirtschaftete jeder Beschäftigte mehr als eine Viertelmillion US-Dollar Gewinn. Dies hat auch Auswirkungen auf die Finanzierung von Staaten und sozialen Sicherungssystemen: Denn die Steuerbasis in westlichen Industrienationen ist die Besteuerung von Arbeit, nicht von Wertschöpfung, worauf in einem Blogbeitrag im Arbeiterkammer-Fachorgan "Arbeit und Wirtschaft" unter dem Titel "Die Macht der Daten" hingewiesen wird. Dazu käme, schreiben die Autoren des Beitrags, Sylvia Kuba und Michael Heiling, dass im Bereich der neuen digitalen Unternehmen - wie etwa der "Share Economy" wie die Beherbergungswebsite AirBnB oder der Taxi-Transportdienst Uber - "starke Monopolisierungstendenzen erkennbar sind und ihr globales Agieren eine lückenlose Besteuerung oder umfangreiche Regulierung erschwert."

Während vor zehn Jahren nicht weniger als drei Energiefirmen, angeführt von ExxonMobil, die Bestenliste gemessen an Marktkapitalisierung dominierten, so haben es heute neben Google, Microsoft und Apple mit Facebook und Amazon zwei weitere Konzerne der digitalen Wirtschaft in die Top Ten geschafft.

"Schöpferische Zerstörung"


Somit haben jene Konzerne die Führung übernommen, die mit den besten Ideen und den größten Innovationen aufwarten können. Stabiles Wachstum findet sich somit bei jenen Firmen, die sich ständig selbst neu erfinden. Beobachter sehen bereits eine Art Schumpeter-Zeitalter angebrochen. Der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter erschütterte mit dem Gedanken "Kapitalismus ist Chaos" vor mehr als 100 Jahren die Grundfeste der Ökonomie. Heute scheint sein Konzept der "schöpferischen Zerstörung" aktueller denn je: Nur Unternehmen, die sich fortwährend in Frage stellen, bleiben stabil.