• vom 04.01.2016, 18:36 Uhr

International

Update: 04.01.2016, 22:29 Uhr

Freihandel

Ein neuer Gigant mit Luft nach oben




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  • Die zehn Staaten Südostasiens (Asean) starten eine Wirtschaftsgemeinschaft.

Bangkok. (dpa/red) Zwischen Indien und China buhlt ein neuer Wirtschaftsgigant um Aufmerksamkeit und Investoren: Die zehn Länder der südostasiatischen Staatengemeinschaft (Asean) sind seit Silvester in einem Wirtschaftsraum (AEC) vereinigt - mit 620 Millionen Einwohnern ein Verbrauchermarkt größer als in den USA oder der EU und so vielen jungen Beschäftigten wie sonst nirgends außer in China und Indien.

Welche Wirtschaftskraft wird da zwischen Indonesien und Thailand, Singapur und den Philippinen entfesselt? Vom "EU-Moment" Asiens war die Rede. Von einem "riesigen liberalisierten Wirtschaftsraum nach europäischem Vorbild" wurde Anfang 2015 noch geschwärmt. Doch auf die Euphorie folgt bereits jetzt Ernüchterung.


Es hapert vor allem an der Harmonisierung. Die zehn Mitgliedsländer bleiben trotz der Gründung eines gemeinsamen Binnenmarktes ein lockeres Bündnis aus souveränen Staaten. Es gibt keine länderübergreifenden Behörden nach dem Muster der Europäischen Union und keine Gesetze, die in allen Mitgliedsländern gelten.

Weiter viele außertarifliche Handelsbarrieren
Für den Binnenmarkt sind die Zölle zwar auf 99 Prozent der Produkte abgeschafft. Doch stehen dem geplanten freien Waren- und Dienstleistungsaustausch noch zahlreiche außertarifliche Handelsbarrieren entgegen.

Vietnam etwa hält hohe Einfuhrzölle auf Autos aufrecht. Indonesien erlässt neue Standards für technische Produkte, die die Anlieferung aus einem Werk in Thailand erschweren. Kapital und Investitionen können nicht frei fließen, unterschiedliche Sicherheitsstandards und Zulassungsbedingungen bestehen weiter. Die Freizügigkeit der Arbeitskräfte gibt es noch nicht, sie wird allerdings zumindest für bestimmte Berufe angestrebt.

Indes zweifelt niemand am Potenzial der Region. Die OECD rechnet mit einem Wachstum von im Schnitt sechs Prozent im Jahr. Deshalb werde sich die Mittelschicht - diejenigen, die mehr Geld haben, als sie zum Überleben brauchen - von 2012 bis 2020 auf mehr als 400 Millionen Menschen verdoppeln, glaubt das Analyseinstitut Nielsen. Unternehmer können nicht nur 620 Millionen Verbraucher beliefern, sondern auch vom Asean-Freihandelsabkommen etwa mit China, Indien und Japan profitieren. "Die südostasiatischen Freihandelszonen machen diese Region zu einem besonders attraktiven Standort für den exportstarken Mittelstand", sagt Daniela Saam vom Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden.

Asean umfasst zehn Länder in Südostasien: Indonesien, Singapur, Vietnam sowie Myanmar, Thailand, die Philippinen, Brunei, Kambodscha, Laos und Malaysia. Die Region ist somit mit sehr reichen, sehr armen, sehr großen und sehr kleinen Ländern mit muslimischer, buddhistischer oder katholischer Mehrheit sehr heterogen. Vier Mitglieder haben zudem mit den USA, Japan und weiteren Ländern die pazifische Freihandelszone TTP beschlossen. Sie geht viel weiter als die AEC, mit dem Schutz von Investitionen und geistigem Eigentum, Arbeits- und Umweltstandards.

International stößt die neue Wirtschaftsgemeinschaft auf Interesse. US-Präsident Barack Obama hat die Asean-Staats- und Regierungschefs für Mitte Februar zu einem Gipfeltreffen nach Kalifornien eingeladen. Die Begegnung solle die Zusammenarbeit zwischen den Vereingten Staaten und den Asean-Mitgliedern weiter vorantreiben, hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses.

Lim Kiang, Handels- und Wirtschaftsminister von Singapur, rief indessen dazu auf, die Freihandelsgespräche zwischen der Europäischen Union und den Asean-Ländern wieder aufzunehmen. Diese wurden 2007 gestartet, aber nach zwei Jahren wieder eingestellt, nachdem die EU beschlossen hatte, stattdessen auf bilateraler Ebene mit den einzelnen Ländern zu verhandeln. Die Union schloss Freihandelsabkommen mit Singapur, Vietnam und Südkorea. Vor kurzem wurde vereinbart, dass darüber hinaus auch Freihandelsgespräche mit den Philippinen gestartet werden sollen.




Schlagwörter

Freihandel, AEC, Südostasien

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Dokument erstellt am 2016-01-04 18:41:02
Letzte Änderung am 2016-01-04 22:29:03



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