• vom 14.01.2016, 12:32 Uhr

International

Update: 14.01.2016, 17:36 Uhr

Kfz-Industrie

Kurssturz bei Renault nach Razzia




  • Artikel
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZOnline, APA

  • Konzern büßt fünf Milliarden Euro Börsenwert ein - Konzern dementiert Abgasmanipulationen.

Wien/Boulogne-Billancourt. Eine Razzia der französischen Behörden hat Renault am Donnerstag den größten Kurssturz der Firmengeschichte eingebrockt. Die Aktien des französischen Autobauers fielen zeitweise um knapp 23 Prozent auf 67 Euro. Damit büßte das Unternehmen binnen eines Tages rund 5 Mrd. Euro an Börsenwert ein. Das entspricht in etwa 370.000 Neuwagen des Modells Clio. Auslöser der Verkaufswelle war Börsianern zufolge ein Bericht der Nachrichtenagentur AFP, demzufolge Geschäftsräume des Unternehmens im Nachklang des VW-Abgasskandals vergangene Woche durchsucht wurden.

Florent Grimaldi, ein Vertreter der französischen Gewerkschaft CTG bestätigte den Bericht über die Razzia. "Das Management hat zwar nicht bestätigt, dass es sich um die Stickoxid-Emissionen dreht. Betrachtet man aber die durchsuchten Geschäftsbereiche, könnte da ein Zusammenhang bestehen."

Emissionstests

Nach Gewerkschaftsangaben sollen Ermittler Computer aus der für Motorentests zuständigen Abteilung von Renault an vier Standorten, darunter der Firmensitz, als Teil einer Überprüfung von Emissionstests beschlagnahmt haben.

Die Ermittler sollen im Auftrag der Antibetrugs- und Wettbewerbsbehörde DGCCRF des Wirtschaftsministeriums gehandelt haben. Renault hat in einer Aussendung seine volle Kooperation mit den Behörden mitgeteilt. Der Autohersteller stellte fest, dass die bisherigen Überprüfungen keinerlei Manipulation ergeben hätten.

Auch andere Autoaktien unter Verkaufsdruck.

Im Sog des Renault-Kurssturzes bauten die anderen europäischen Autobauer ihre Kursverluste aus. Volkswagen verloren 5,3 Prozent, BMW und Daimler büßten bis zu 6 Prozent ein. Fiat rutschten um bis zu 11 Prozent ab.

Letztere litten zusätzlich unter Berichten über eine Klage in den USA. Der Fachzeitschrift "Automotive News" zufolge werfen zwei Händler dem Konzern die Manipulation von Absatzzahlen vor. Fiat Chrysler wurden heute in Italien vom Handel ausgesetzt, nachdem die Aktien um etwas mehr als 9 Prozent eingebrochen waren. Laut einem Bericht der Branchenzeitung "Automotive News" haben zwei US-Händler den Autobauer verklagt. Sie warfen dem italienisch-amerikanischen Autokonzern demnach vor, ihnen Geld geboten zu haben, um Absatzzahlen zu schönen.

 Stellungnahme der Renault Gruppe

In einer Aussendung erklärte der Autokonzern folgendes: "Nach den Veröffentlichungen der amerikanischen Umweltschutzbehörde (EPA = Environmental Protection Agency) zum Einsatz eines Defeat Device-Programms bei einem namhaften Automobilhersteller hat die französische Regierung eine Untersuchungskommission einberufen. Die unabhängige Technikkommission – genannt Commission Royal – soll sicherstellen, dass die französischen Automobilhersteller ihre Fahrzeuge nicht mit vergleichbarer Software ausgestattet haben.

Im Rahmen der Untersuchungen testet die UTAC (Union Technique de l'Automobile, du motocycle et du Cycle) aktuell 100 Fahrzeuge verschiedener Hersteller im Fahrbetrieb. Insgesamt 25 der geprüften Fahrzeuge stammen von Renault, was dem Marktanteil des Herstellers in seinem Heimatmarkt entspricht. Bis Ende Dezember 2015 haben bereits elf Fahrzeuge, darunter vier Modelle von Renault, das Testprogramm durchlaufen.

Die französische Direction Générale de l’Energie et du Climat (DGEC) ist im Namen des Umweltministeriums als Ansprechpartner der unabhängigen Prüfkommission UTAC tätig. Sie geht davon aus, dass die noch laufende Untersuchung keine Manipulations-Software in Renault Modellen zu Tage bringen wird.

Die laufenden Tests tragen dazu bei, dass Renault noch schneller die geplanten Industrielösungen für verbesserte Abgaswerte seiner Fahrzeuge umsetzen kann. Die Renault Gruppe hat bereits einen Emissionsplan vorgelegt, der die Effizienz der Fahrzeuge verbessern soll.

Eine Kontrollabteilung (Direction générale de la concurrence, de la consommation et de la répression des fraudes: DGCCRF) des französischen Wirtschaftsministeriums untersucht aktuell verschiedene Renault Unternehmens- und Entwicklungsstandorte, um die Ergebnisse der unabhängigen Prüfkommission abschließend zu validieren. Die Untersuchungen der DGCCRF betrafen den Unternehmenssitz der Renault Gruppe, das Technikzentrum Lardy sowie das Entwicklungszentrum "Technocentre" in Guyancourt. Renault unterstützt im vollen Umfang die Arbeiten der Commission Royale und die ergänzenden Untersuchungen des Wirtschaftsministeriums.

Nach dem Erfolg des Weltklimagipfels (COP21) wird Renault seine Anstrengungen für Industrielösungen zur Klimaschonung weiter steigern. Die Renault Gruppe zählt schon heute zu den drei führenden Automobilherstellern bei der Reduzierung der CO2-Emissionen. Innerhalb der vergangenen drei Jahre hat das Unternehmen den durchschnittlichen CO2-Ausstoß seiner Modellpalette um zehn Prozent gesenkt."





Schlagwörter

Kfz-Industrie, Renault

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-01-14 12:34:08
Letzte Änderung am 2016-01-14 17:36:24


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Rosenberger ist pleite
  2. Gericht verhängt Verkaufsverbot für diverse iPhone-Modelle
  3. General Motors fährt wieder bergab
  4. Deutsches Kartellamt verhängte Strafe gegen Strabag-Tochter
  5. Strabags Prestige-Projekt kurz vor dem Aus
Meistkommentiert
  1. Am Konjunkturhimmel ziehen mehr Wolken auf
  2. Strabags Prestige-Projekt kurz vor dem Aus
  3. Weniger Förderung treibt den Preis nach oben
  4. Erneut keine Einigung bei Handels-KV
  5. Österreicher spenden heuer 675 Millionen Euro

Werbung



Quiz


Firmenmonitor







Werbung