Moskau/Wien. Vor 26 Jahren hat auf dem Moskauer Puschkin-Platz die erste McDonald’s-Filiale eröffnet. Leisten konnten sich die Fastfoodkette damals nur die Wohlhabenderen. Russlands Wirtschaft lag ein Jahr vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion am Boden, für Lebensmittel standen die Moskowiter stundenlang Schlange. Und doch herrschte Zuversicht, dass sich westlicher Lebensstandard und Lebensstil irgendwann auch hier einstellen würden.

Heute gehören ausländische Fastfoodketten zum Stadtbild der Ballungszentren. 1,1 Millionen Russen täglich kehren inzwischen allein in einer der landesweit 471 McDonald’s-Filialen ein, das Franchiseunternehmen will heuer 60 weitere Filialen eröffnen. Das Geschäft bommt - weil sich wegen der Wirtschaftskrise immer weniger Russen gehobenere Restaurants leisten können. 2015 sanken die Realeinkommen um 3,5 Prozent - bis Ende 2016 werden die Russen voraussichtlich noch einmal 3,7 Prozent weniger im Geldbeutel haben. Russlands Wirtschaftsleistung ließ im Vorjahr um 3,7 Prozent nach, für heuer prognostiziert der IWF eine weitere Rezession.

Die westlichen Sanktionen, der niedrige Ölpreis und der Wertverlust der Rubels bringen auch den Staatshaushalt gewaltig ins Wanken. Der Staat bezog bis 2014 etwa 50 Prozent seiner Einnahmen aus Steuern des Öl- und Erdgassektors - im Vorjahr sank der Anteil auf 43 Prozent - nachdem der Ölpreis ab Mitte des Jahres rasant fiel. Gestern lag dieser bei knapp über 30 Dollar pro Barrel (Marke Brent).

Sollte der Ölpreis nicht zumindest wieder auf 50 Dollar anziehen, klafft heuer ein Budgetloch von rund 40 Milliarden Dollar, warnte Finanzminister Anton Siluanow. Doch bisher deutet nichts auf eine Erholung hin. Präsident Wladimir Putin bleiben angesichts dessen nur zwei Möglichkeiten: Entweder er billigt ein deutlich höheres Budgetdefizit als die für heuer angepeilten drei Prozent des BIP - oder der Staat muss seinen Reservefonds weiter plündern. Auf diesen wurde bereits 2015 sowie während der Wirtschaftskrise 2008/2009) zurückgegriffen. Experten mahnen allerdings aus Angst vor wachsender Instabilität zur Zurückhaltung.

"Nicht für einen Hungerlohn"

Ins Spiel gebracht hat der Kreml nun noch eine dritte Alternative: die Teilprivatisierung großer russischer Staatsunternehmen. Auf der Liste befinden sich bekannte Namen wie Rosneft (Russlands größter Ölkonzern), VTB und Sberbank (die zwei größten Banken des Landes), Russian Railways oder Aeroflot. Auch der Ölkonzern Bashneft, der Diamantenproduzenten Alrosa oder Sovcomflot, Russlands größte Schiffbaugesellschaft, sollen unter den Hammer kommen. Finanzminister Anton Siluanow hofft auf Einnahmen von 12,5 Milliarden Dollar in den kommenden zwei Jahren. Die durch den Rubelverfall geschwächten Geldhäuser bekämen frisches Kapital, der Staat dringend benötigte Budgeteinnahmen, pries Alexej Uljukajew, Minister für wirtschaftliche Entwicklung, den Vorstoß.