Frankfurt. (reu) Die Verschnaufpause bei europäischen Bankentiteln weilte nur kurz. Kaum hatten sich die Märkte zu Wochenmitte leicht erholt, ging es am Donnerstag wieder dewutlich nach unten: Investoren warfen erneut vor allem Finanzpapiere in hohem Bogen aus ihren Depots und flohen in vermeintlich sichere Häfen wie Gold oder den japanischen Yen. "Es herrscht Panikstimmung", sagte Andreas Paciorek vom Brokerhaus CMC Markets. Viele Anleger fürchten inzwischen, dass die Weltwirtschaft ernsthaft ins Straucheln gerät, sich Kreditausfälle häufen und die Finanzwirtschaft deshalb veritable Probleme bekommt. Die Furcht vor einer globalen Konjunkturabschwächung wird zudem durch den neuerlich gefallenen Ölpreis angeheizt.

Angeführt von deutlichen Verlusten bei der Deutschen Bank und der Commerzbank rutschte der DAX zeitweise um 3,5 Prozent auf 8699 Zähler und damit den tiefsten Stand seit Oktober 2014 ab. Seit Wochenbeginn hat der Leitindex bereits mehr als 6 Prozent verloren; der EuroStoxx50 gab um bis zu 4,2 Prozent nach.

Aktien der Deutschen Bank fielen in der Spitze um knapp acht Prozent, die Commerzbank um sieben Prozent. Der europäische Bankenindex landete mit 6,6 Prozent auf dem tiefsten Stand seit dreieinhalb Jahren. Besonders hart traf es Titel von Societe Generale, die sich um bis zu 15 Prozent verbilligten. Anteilsscheine der Schweizer Großbank Credit Suisse sackten um fast neun Prozent auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren ab.

Auch Ölpreis erneut im Sinkflug

Weiter in den Keller gerasselt sind auch die Ölpreise. Rohöl der US-Sorte WTI ließ um 4,5 Prozent nach und erreichte mit 26,21 Dollar pro Barrel (159 Liter) den niedrigsten Wert seit Mai 2003. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich Sorte um 2,7 Prozent auf 30,01 Dollar.

Der Dollar gab zu anderen wichtigen Währungen deutlich nach. Anleger steuerten vor allem den Yen an - zur japanischen Landeswährung fiel der Greenback um zwei Prozent auf 111,02 Yen und markierte damit den tiefsten Stand seit Ende Oktober 2014. Der Euro kletterte zeitweise auf ein Vier-Monats-Hoch von 1,1355 Dollar. Gefragt war - wie in Krisenzeiten meist - Gold. Der Preis für das Edelmetall stieg in der Spitze um 2,7 Prozent auf 1229,40 Dollar je Feinunze - der höchste Stand seit vergangenen Mai. "Die Investoren wollen nur noch raus aus Risikopapieren und rein in Sicherheit", konstatierte Paciorek.

Die Sorge um den Zustand der Weltkonjunktur hatte sich in den vergangenen Wochen mehr und mehr verschärft. Nach einer Vielzahl enttäuschender Konjunkturdaten aus China zeigte auch die US-Wirtschaft zuletzt Schwächesignale. Vor allem die trübere Stimmung im Dienstleistungssektor ließ zuletzt Befürchtungen aufkommen, dass die US-Konjunktur stärker an Schwung verliert als bisher angenommen. Anleger setzen inzwischen darauf, dass die Fed bei der geplanten Straffung ihrer Geldpolitik nicht allzu sehr aufs Tempo drücken wird. Fed-Chefin Janet Yellen hatte am Mittwoch keine konkreten Hinweise gegeben, wann weitere Zinserhöhungen anstehen könnten. Der US-Leitzins war im Dezember erstmals seit rund zehn Jahren wieder angehoben worden.