Frankfurt. (reu/wak) Es war die Erleichterung, auf die die Branche gewartet hatte. Inmitten von Panikverkäufen und Unkenrufen präsentierte die zweitgrößte deutsche Bank, die Commerzbank, am Freitag ihr Jahresergebnis. Und zwar was für eines: der erste Milliardengewinn seit fünf Jahren, die erste Dividende seit 2007. "Das Jahr 2015 hat gezeigt, dass unsere Strategie richtig ist und die Umsetzung erfolgreich verläuft", bilanzierte der scheidende Commerzbank-Chef Martin Blessing. Der Nettogewinn hat sich unter seiner achtjährigen Führung auf 1,06 Milliarden Euro vervierfacht. Die Börse bejubelte den fast abgeschlossenen Umbau und die versprochene Dividende von 20 Cent: Die Commerzbank-Aktie schoss am Freitag um 18 Prozent nach oben.

Anleger fassten neuen Mut und griffen auch bei anderen Bankentiteln wieder zu: Der europäische Bankenindex stieg um mehr als vier Prozent. Die Titel der Deutschen Bank legten bis zu elf Prozent zu - und machten die Wochenverluste wieder wett. Dabei half auch der Rückkauf bestimmter unbesicherter Anleihen den Aktien auf die Sprünge. "Das ist eine Beruhigungspille für die Gläubiger", sagte ein Händler.

Finanztitel rund um den Globus waren zuletzt deutlich eingebrochen, weil Investoren einen Schwächeanfall der Weltwirtschaft und Kreditausfälle im Bankensektor fürchteten. Besonders die Deutsche Bank hatte mit einem Vertrauensverlust zu kämpfen. Das größte deutsche Geldinstitut steht erst am Anfang seiner Umstrukturierung.

Die derzeitigen, oft nach unten ausschlagenden, Kurven an den Aktienmärkten teilt das Heer der Analysten in zwei Lager: Die einen sehen in der Ausverkaufsstimmung grundlose Panik und raten gerade jetzt zum Einstieg, da Banktitel derzeit so unterbewertet seien. Die anderen wittern die nächste Weltwirtschaftskrise und postulieren, dass die Talsohle noch lange nicht erreicht sei.

Einen einzigen konkreten Grund, weshalb die Aktienmärkte derzeit so nervös reagieren, getraut sich niemand festmachen. Man wolle nicht spekulieren, heißt es von einigen. Diejenigen, die sich aus der Deckung wagen, verweisen auf das wirtschaftliche Umfeld und das Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die allerdings in der Vergangenheit noch nie derart schlagend gewesen waren.

Hilflose Erklärungsversuche

Den Banken, die ganz oben auf der Ausverkaufsliste stehen, machen etwa die extrem niedrigen Leitzinsen und die Strafzinsen auf Einlagen bei den Notenbanken zu schaffen, heißt es. Ersteres drückt die Gewinnmargen im Kreditgeschäft, und Letzteres gilt als Zusatzsteuer. Die Geschäftsbanken müssen die EZB und andere Zentralbanken dafür bezahlen, wenn sie überschüssiges Geld bei diesen parken. Damit soll die Kreditvergabe angekurbelt werden. Auch für die US-Notenbank (Fed) ist das Thema kein Tabu, wie Fed-Chefin Janet Yellen jüngst deutlich machte. All das dürfte für Marktteilnehmer allerdings keine Neuigkeit sein.

Darüber hinaus werden angeblich die milliardenschweren Geldspritzen der Notenbanken zunehmend kritisch gesehen. Die wegen der Wertpapierkäufe künstlich niedrigen Anleihe-Renditen schmälerten die Einnahmequellen der Geldhäuser, erläutert Steve Englander, Devisenstratege bei der Citigroup. Deutsche Bank und Credit Suisse verschreckten Anleger in den vergangenen Wochen mit Milliarden-Verlusten. Ihre Aktien sind Jahresbeginn um jeweils rund 40 Prozent eingebrochen.

Ebenfalls wird der Ausverkauf durch den anhaltend niedrigen Ölpreis befeuert. Die US-Sorte WTI kostet aktuell nur noch rund 27 Dollar je Barrel (159 Liter). Nun rückt die Kehrseite des billigen Öls in den Vordergrund: Wegbrechende Einnahmen reißen riesige Löcher in die Haushalte der Förderländer. "Investoren verkaufen zurzeit alles, was mit Öl zu tun hat", so Stephen Massocca, Chef-Anleger bei der Investmentfirma Wedbush Equity Management. In den USA droht eine Pleitewelle von Bohrfirmen. Das bringe wiederum die Banken in die Bredouille, die milliardenschwere Kredite an die Branche vergeben haben.