Riad/Moskau. (rs) Wie sehr selbst die Alphatiere mittlerweile leiden, macht schon ein Blick auf die Zahlen klar. Nachdem 2014 bereits ein Minus von knapp 40 Milliarden Dollar in den Büchern des saudi-arabischen Finanzministeriums stand, sollte das Jahr 2015 für den weltgrößten Ölexporteur noch viel schlimmer zu Ende gehen. Mit knapp 98 Milliarden Dollar hatte sich das Loch im Staatshaushalt noch einmal mehr als verdoppelt. Ähnlich stark ist die globale Nummer zwei durch den Absturz des Ölpreises gebeutelt worden. Laut Finanzminister Anton Siluanow könnte sich das russische Budgetdefizit im Jahr 2016 auf bis zu 40 Milliarden Dollar ausweiten.

Doch mittlerweile scheint selbst für Saudi-Arabien, das mit Hilfe des niedrigen Ölpreises die ungeliebte US-Fracking-Konkurrenz aus dem Markt drängen wollte, die Schmerzgrenze überschritten. Zusammen mit Katar, Venezuela und Russland vereinbarte man am Dienstag, die Produktion auf dem Jänner-Niveau einzufrieren. "Wir glauben, dass dieser Schritt den Markt stabilisieren wird", sagte Katars Ölminister Mohammed bin Saleh al-Sada nach den Verhandlungen in Doha.

Viele Experten sehen in dem Vierer-Treffen eine wichtige Etappe auf dem Weg in ruhigeres Fahrwasser: "Das ist die erste Entscheidung zur Angebotssituation seit November 2014", betonte Olivier Jacob vom Analysehaus Petromatrix. "Auch wenn es keine Kürzung ist, ist es doch eine große Veränderung in der Förderpolitik."

Angesichts des massiven globalen Überangebots hatte sich der Ölpreis in den vergangenen 18 Monaten fast ausschließlich nach unten bewegt. Mit knapp 34 Dollar je Fass liegt der Preis für die richtungsweisenden Nordsee-Sorte Brent heute knapp 70 Prozent unter dem Niveau des Sommers 2014, wodurch auch viele Unternehmen stark unter Druck geraten sind. Einer Studie des Unternehmensberaters Deloitte zufolge droht einem Drittel der in dem Sektor tätigen Firmen noch in diesem Jahr das Aus.

Iran will nicht mitziehen


Doch derzeit ist die in Doha getroffenen Vereinbarung primär nur ein Signal. Denn die Produktion soll nur dann eingefroren werden, wenn auch andere große Öl-Länder mitmachen. Doch der Iran, der nach dem Ende der westlichen Sanktionen seine Fördermenge schrittweise ausweiten will, dürfte vorerst nicht mitziehen. "Bisher sehen wir Bedarf im Ölmarkt und wären daher nicht bereit, auf unseren Anteil zu verzichten", sagte Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh am Dienstag. Iranische Offizielle hatten zuletzt auch immer wieder betont, dass sich das Land nach seiner Rückkehr auf den globalen Ölmarkt in einer ganz anderen Ausgangsposition befinde als jene Länder, die in den schon in den vergangenen Jahren in hohem Umfang produziert haben. "Wenn wir das Niveau vor Einführung der westlichen Strafmaßnahmen erreicht haben, dann können wir reden", erklärte ein Insider.

Doch nicht nur wegen des Irans, mit dem am Mittwoch noch einmal verhandelt werden soll, rechnen viele Experten nicht mit einer schnellen Trendwende beim Ölpreis. Denn in Doha wurden keine Kürzungen vereinbart, sondern letztlich nur eine Stabilisierung der Produktion. Und diese befand sich im Jänner auf einem Rekordhoch. So förderten die Staaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) nach Jahreswechsel 32,33 Millionen Barrel (jeweils 159 Liter) Öl pro Tag und damit 130.000 Barrel mehr als im Dezember. Und das Nicht-Opec-Mitglied Russland, das tief in der Rezession steckt, hat zu Jahresbeginn sogar so viel Öl aus der Erde gepumpt wie seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr.