Berlin/Frankfurt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Geldpolitik erneut gelockert: Die Notenbanker senkten den Leitzins am Donnerstag erstmals auf 0 Prozent und erhöhten die monatlichen Anleihenkäufe auf 80 (bisher 60) Milliarden Euro. Zudem müssen Banken künftig einen Strafzins von 0,4 (bisher 0,3) Prozent zahlen, wenn sie überschüssiges Geld bei der EZB parken wollen.

Deutsche Ökonomen und Vertreter der Finanzbranche sagten in ersten Reaktionen:

JAN HOLTHUSEN, VOLKSWIRT DER DZ BANK:

"In der Pressekonferenz muss Draghi nun erklären, wie er die bekannten Probleme, die diese neuen Maßnahmen bereiten, umschiffen will, ohne dass Märkte und Finanzsektor Schaden nehmen werden. Dennoch werden auch diese Schritte nicht wirklich dazu beitragen, die Inflationserwartungen nachhaltig zu erhöhen, da diese stärker vom Rohölpreis abhängen, der außerhalb der Kontrolle der EZB liegt. Die EZB geht dabei immer mehr das Risiko ein, zu viel des Guten zu tun."

ANDREAS BLEY, CHEFVOLKSWIRT DES BANKENVERBANDS BVR:

"Die heute vom EZB-Rat beschlossenen Maßnahmen zur Ausweitung der Liquidität werden nicht die gewünschte Wirkung zeigen. Noch mehr billiges Geld und bizarre Welt der negativen Zinsen verunsichert Unternehmen und Verbraucher, noch niedrigere Zinsen führen nicht zu mehr Investitionen. Im Gegenteil: Die bizarre Welt der negativen Zinsen verunsichert Unternehmen und Verbraucher, belastet die Altersvorsorge und erhöht die Anreize zur Verschuldung, sowohl der Unternehmen und Privathaushalte, als auch der Staaten. Ohnehin malt die EZB mit ihrer Konjunktureinschätzung unnötig schwarz."

MARCEL FRATZSCHER, CHEF DES DIW-INSTITUTS:

"Die EZB-Entscheidung bedeutet eine überraschend massive Ausweitung der Geldpolitik. Sie unterstreicht jedoch auch die Sorge der EZB über die schwächer werdende europäische Wirtschaft."

ALEXANDER ERDLAND, PRÄSIDENT DES VERSICHERERVERBANDS GDV:

"Die EZB hat sich noch tiefer in die Sackgasse manövriert. Mit größter Sorge sieht die Versicherungswirtschaft, dass die Notenbank ihre schon extrem expansive Geldpolitik noch weiter signifikant gelockert hat. Denn immer mehr Anzeichen deuten darauf hin, dass diese monetären Anreize ihr Ziel nicht erreichen. Besonders deutlich wurde das seit Jahresbeginn auf den Aktienmärkten oder beim Euro-Wechselkurs, wo Verluste beziehungsweise eine Aufwertung im krassen Gegensatz zur Haltung der Geldpolitik standen.