Panama-Stadt. Die Enthüllungen über Briefkastenfirmen in Panama haben weltweit die Steuerfahnder mobilisiert. Justizbehörden in Frankreich, den Niederlanden, Spanien, Australien und in Panama selbst leiteten Ermittlungen ein, in den meisten Fällen geht es um den Verdacht der Steuerhinterziehung.

Einige Betroffene starteten am Dienstag eine Gegenoffensive: China und Russland sprachen von einer Verschwörung des Westens, Politiker in Westeuropa klagten über unfaire Verdächtigungen.

In Österreich warten die Finanz und die Justiz offenbar ab, ob die Finanzmarktaufsicht (FMA) bei ihrer außertourlichen Prüfung zur Überwachung der Geldwäsche-Prävention bei den beiden bisher in den Enthüllungen genannten Banken, der Landeshypo Vorarlberg und der Raiffeisen Bank International (RBI), auf Verdachtsmomente stößt.

Panama zur Zusammenarbeit bereit

Frankreich leitete nach Veröffentlichung der "Panama Papers" Vorermittlungen wegen "Geldwäsche und Steuerbetrugs" ein, wie die Staatsanwaltschaft in Paris mitteilte. Sie ging von möglichen Straftaten französischer Steuerpflichtiger aus. Die spanische Staatsanwaltschaft befasst sich nach Angaben aus Justizkreisen ebenfalls mit den Enthüllungen, auch sie ermittelt wegen Geldwäsche.

Die Generalstaatsanwaltschaft in Panama prüfte, inwieweit Straftaten vorlagen. Auch durch mutmaßliche Steuerhinterziehung entstandene finanzielle Schäden würden ermittelt, hieß es bei der Justiz in Panama-Stadt. Nach den Enthüllungen zu insgesamt 214.000 Briefkastenfirmen vor allem in Panama und auf den Britischen Jungferninseln betonte Panamas Präsident Juan Carlos Varela die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Ermittlern aus aller Welt.

In den "Panama Papers" finden sich Spuren bis in die Führungszirkel Russlands und Chinas hinein. Beide Staaten erwiderten die Enthüllungen am Dienstag mit Gegenvorwürfen. Ein Kreml-Sprecher sagte: "Putin, unser Land Russland, unsere Stabilität und die bevorstehenden Wahlen sind das Hauptziel, es geht insbesondere um die Destabilisierung der Lage." Viele der beteiligten Journalisten seien frühere Mitarbeiter des US-Außenministeriums und des US-Geheimdiensts CIA, sagte er.

Peking: "Grundlose Anschuldigungen"

Die Führung in Peking wählte eine ähnliche Verteidigungsstrategie. Die der chinesischen Führung nahestehende "Global Times" sprach von einer "Destabilisierungskampagne". Das Blatt wertete die Enthüllungen als Versuch, "nicht-westliche politische Eliten und Institutionen zu treffen". Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking machte "grundlose Anschuldigungen" aus, die er nicht kommentieren wolle.

Auch in den demokratischen Staaten Westeuropas gerieten Politiker weiter in Bedrängnis. Der britische Premierminister David Cameron sah sich veranlasst, über einen Sprecher mitteilen zu lassen, dass es sich bei den Finanzgeschäften seiner Familie um eine "private Angelegenheit" handle. Britische Medien hatten unter Berufung auf die "Panama Papers" berichtet, der Investmentfonds von Camerons verstorbenem Vater habe dank einer komplizierten Konstruktion über Jahrzehnte die Zahlung von Steuern vermieden.

Front National in Verdacht

Die Enthüllungen trafen auch das Umfeld der rechtsextremen französischen Front National (FN) in Frankreich. Die Tageszeitung "Le Monde" berichtete, Vertraute von Parteichefin Marine Le Pen hätten ein "ausgeklügeltes Offshore-System" entwickelt, um über Tarnfirmen und falsche Rechnungen Geld aus Frankreich zu schaffen. Die FN-Führung betonte, es gebe keine Verbindung zur Partei; die Aktivitäten seien zudem legal.

Die in Panama-Stadt ansässige Kanzlei Mossack Fonseca, die die mutmaßlich illegalen Dienstleistungen erbracht hat, nannte die Veröffentlichung von Millionen interner Kundendokumente durch internationale Medien einen Angriff auf das Land und wies alle Anschuldigungen zurück. Offshore-Geschäfte sind nicht per se illegal - es sei denn, Briefkastenfirmen werden genutzt, um Steuern zu hinterziehen oder Geld aus verbrecherischen Aktivitäten zu waschen.