Washington. (wak) Der Internationale Währungsfonds IWF revidiert in seinem aktuellen "World Economic Outlook" seine Prognosen wieder ein wenig nach unten. Heuer werde die Weltwirtschaft doch nur 3,2 Prozent wachsen, 2017 könnten es dann 3,5 Prozent sein. Österreichs Wirtschaft soll heuer 1,2 bzw. 1,4 Prozent (2017) wachsen. Damit hinkt Österreich hinter dem Wachstum der Eurozone und Deutschland (jeweils 1,5 bzw. 1,6 Prozent) hinterher.

Beunruhigt habe der IWF seit vergangenem Sommer zwei große Einbrüche auf den Aktienmärkten registriert, erklärt Maurice Obstfeld, Chefökonom des IWF. Die Märkte haben in einer Heftigkeit reagiert, die allein von den Fundamentaldaten her nicht notwendig gewesen wäre, aber ein weiterer Hinweis auf die zunehmende Volatilität in der Weltwirtschaft ist. Dazu kommt, dass weiterhin Kapital aus den Schwellenländern im großen Stil abgezogen wird.

Auch nicht-ökonomische Risiken nehmen zu: Der Krieg in Syrien und das daraus entstehende "humanitäre Desaster" ist eine große Herausforderung für die EU. Die Flüchtlingskrise führe zum Flirt mit der Abschottung, die Betonung von rein nationalen Interessen wird wieder stärker - Obstfeld nennt hier den Brexit als Beispiel - und als Ganzes scheint der "europäische Konsens zu schwinden".

Auch in den USA gibt es Veränderungen zum Negativen: Es sei ein Trend zu bemerken, dass weitere Liberalisierungen des Handels gestoppt oder sogar rückgängig gemacht werden, warnt Obstfeld. Damit spielt er auf die zähen Verhandlungen für das Freihandelsabkommen der USA mit der EU (TTIP) an und auf die Sager mancher US-Präsidentschaftskandidaten, die dem Abkommen negativ gegenüberstehen (außer Hillary Clinton haben sich alle distanziert dazu geäußert).

"Das Weltwirtschaftwachstum ist seit zu langer Zeit zu niedrig", wiederholt Obstfeld das, was seine Chefin, Christine Lagarde unlängst postuliert hat. Damit gerate die Weltwirtschaft in einen Zustand der zunehmenden Fragilität. Für die Politik bedeutet das: Es gebe "keinen Spielraum für Fehler mehr", erklärt Obstfeld: "Wir sind zwar nicht in einem Alarmzustand, aber in einem Zustand der Alarmbereitschaft."

Das derzeit größte Risiko beinhaltet allerdings keinen Knalleffekt wie die Subprime-Krise, die von den USA ausgegangen ist. Die größte Gefahr sei laut Obstfeld "das beständig geringer werdende Wachstum", denn das impliziert, dass weiterhin Investitionen zurückgehalten werden, dass keine Jobs geschaffen werden, und dass die Löhne zurückgehen. Insgesamt male das ein "nicht besonders attraktives Szenario", von dem er aber nicht sagen könne, wie das Ergebnis im Genauen aussehe.