Lagarde fordert einen geschickten Politikmix. - © reuters/Yuri Gripas
Lagarde fordert einen geschickten Politikmix. - © reuters/Yuri Gripas

Washington. (wak/ag) Die Risiken für die Stabilität an den globalen Finanzmärkten haben im vergangenen halben Jahr zugenommen. Die Turbulenzen an den Aktienmärkten Mitte Februar könne man seiner Ansicht nach nicht als Einzelereignis abtun, erklärt José Viñals, Leiter der Kapitalmarktabteilung des Internationalen Währungsfonds IWF anlässlich der gemeinsamen Jahrestagung mit der Weltbank in Washington.

Inzwischen mögen sich die Preise der Vermögenswerte wieder erholt haben, die Aktienkurse weniger volatil sein. Steigende Ölpreise, vielversprechende Konjunkturdaten aus den USA sowie das Maßnahmenpaket der Zentralbanken hätten die Märkte fürs erste beruhigt. Aber es könnte eine nur kurze Ruhe vor dem nächsten Sturm sein.

Denn laut Viñals waren die heftigen Ausschläge auf den Märkten vielmehr "Warnsignale", dass mehr für die Finanzstabilität getan werden müsse. Der Markt reagiert empfindlich auf die fallenden Rohstoffpreise und das langsamere chinesische Wachstum. Die Kreditvergabe läuft vor allem in Europa weiterhin schleppend.

"Die Banken stehen nicht nur vor einer zyklischen Herausforderung, sondern auch vor einer strukturellen", erklärt Viñals - die Geldinstitute müssen in einer für sie neuen Welt, nach der großen Krise, leben lernen. "In den Industrienationen sehen sich viele Banken mit schwerwiegenden Problemen in ihrem Geschäftsmodell konfrontiert", legt Viñals dar. "Wir schätzen, dass mit diesen Instituten ungefähr 15 Prozent des Bankvermögens in den Industrienationen betroffen ist." Für die Eurozone wird Viñals konkreter: Das Problem der faulen Kredite müsse in der Währungsunion endlich angegangen werden. Dann weist er darauf hin, dass es "zu viele Banken" in der Eurozone gebe und eine Marktbereinigung mit der Zeit stattfinden wird. Schließlich drängt Viñals auch auf die gemeinsame europäische Einlagenssicherung (bei deren Implementierung Deutschland weiter auf die Bremse steigt).

Die Ökonomen des IWF äußern sich sogar lobend über die Negativzinsen, wie sie die europäische Zentralbank EZB eingeführt hat. Diese Maßnahme, die dazu gedacht ist, Investitionen anzuregen und jedenfalls nicht das Geld bei der EZB zu bunkern, werde sich langfristig positiv auf die Geldinstitute auswirken. "Banken sind insgesamt wichtige Nutznießer dieser Politik", bilanziert IWF. "Verbesserungen der Preisstabilität und des Wachstums" führten unter anderem "zu einer Stärkung der Kreditwürdigkeit von Schuldnern" und einer "Reduktion des Bestands an faulen Krediten".