Auch warnt der IWF, erstmals in dieser Deutlichkeit, dass zunehmend Versicherungen ebenfalls in das Fahrwasser der faulen Kredite kommen und durch Ausfälle das Finanzsystem weiter destabilisieren könnten.

Turbulenzen verhindern

Sollten solche Reformmaßnahmen ausbleiben, könnten die Börsenturbulenzen sich sogar verstärken, warnt der IWF. Schwächeres Wachstum, schärfere Finanzierungsbedingungen und steigende Schuldenlasten seien mögliche Folgen. Die Weltwirtschaft drohe dann in eine Phase der Stagnation zu geraten - in den nächsten fünf Jahren könne dies das globale Wachstum um 3,7 Prozentpunkte schmälern.

Der Fonds hatte diese Woche bereits zum zweiten Mal binnen weniger Monate seine Wachstumsprognosen zurückgenommen. Die globale Wirtschaftsleistung wird demnach in diesem Jahr nur noch um 3,2 statt um 3,4 Prozent zulegen und im nächsten Jahr um 3,5 statt um 3,6 Prozent.

Sollte die Wirtschaft in eine Stagnation verfallen, würden Finanzinstitutionen noch sehr lange mit uneinbringlichen Krediten kämpfen müssen. Dadurch könnte die finanzielle Stabilität soweit erodierten, dass sowohl das Wirtschaftswachstum als auch die Finanzstabilität mittelfristig davon in Mitleidenschaft gezogen werden. In einem solchen Szenario könnte das Wirtschaftswachstum um 3,9 Prozent im Vergleich zum bisherigen Basisszenario in den nächsten fünf Jahren verlieren.

Lob für kreative Zentralbanken

Die Chefin des IWF, Christine Lagarde, fordert die Notenbanken in aller Welt zu einer fantasievolleren Geldpolitik auf. So sollten Entwicklungsländer etwa die Wechselkurse ihrer Währungen noch mehr als Puffer nutzen, um die Auswirkungen von Schocks abzufedern. "Unkonventionelle Geldpolitik hilft, Nachfrage zu schaffen", sagt Lagarde in Washington. Sie sei aber nicht geeignet, strukturelle Flaschenhälse für Wachstum zu beseitigen. Es bedürfe eines geschickten Politik-Mixes, um die Wachstumsschwäche zu überwinden.

Lagarde tritt schon seit längerem für einen Dreiklang ein: geldpolitische Maßnahmen der Notenbanken, wachstumsfördernder Haushaltskonsolidierung sowie Strukturreformen. Forderungen nach Konjunkturspritzen dürften damit wieder lauter werden. Deutschlands Regierung, insbesondere Finanzminister Wolfgang Schäuble, hält aber nichts von solchem Aktionismus angesichts des Schuldenstands - noch weniger von weiteren geld- sowie finanzpolitischen Stützungsmaßnahmen. Es gebe keine Krisensituation - trotz der Abwärtsrisiken, heißt es in Berlin. Die Wachstumsraten seien nicht so schlecht, wie einige weismachen wollten. Sie lägen weit über dem langfristigen Durchschnitt.